Zahlen und Fakten Wissenswertes zur Briten-Wahl: Geht die Queen auch wählen?

Die Briten sind Queen-verrückt. Doch darf eine Königin eigentlich auch wählen? Foto: dpaDie Briten sind Queen-verrückt. Doch darf eine Königin eigentlich auch wählen? Foto: dpa

dpa/kück London. Fast 4000 Kandidaten, vermutlich rund 50 Millionen Wahlberechtigte und eine Königin: Die Briten wählen am Donnerstag ein neues Parlament. Zahlen und Fakten zum Wahltag.

Wer zur Wahl steht: Die Wähler entscheiden zwischen 3971 Kandidaten in 650 Wahlkreisen. 533 Wahlkreise befinden sich in England, 59 in Schottland, 40 in Wales und 18 in Nordirland. Welcher Kandidat auch immer die meisten Wählerstimmen im Wahlkreis gewinnt, bekommt den entsprechenden Sitz im Unterhaus. „The winner takes it all“ – der Gewinner räumt alles ab. Das System gleicht der Erststimme bei der deutschen Bundestagswahl.

So läuft die Wahl ab: Zwischen 8 und 23 MESZ (7 bis 22 Uhr Ortszeit) sind am Donnerstag die Wahllokale im Land geöffnet, in einigen Wahlkreisen finden zusätzlich Kommunalwahlen statt. Eine Prognose folgt unmittelbar nach Schließung der Wahllokale, Hochrechnungen gibt es nicht.

Warum ausgerechnet am Donnerstag? Das in Großbritannien donnerstags Wahltag ist, hat Tradition – seit 1935 ist das so. Auch Regionalwahlen finden an Donnerstagen statt. Seit 2011 ist der Wochentag für landesweite Parlamentswahlen sogar gesetzlich festgelegt. Warum es ausgerechnet ein Donnerstag ist, weiß so genau niemand. Eine Theorie: Am Freitag bekamen die Arbeiter ihren Lohn – und danach gingen viele Wähler lieber in einen Pub als ins Wahllokal. Grund könnte auch sein, dass Donnerstag in vielen Städten Markttag war und Leute aus der Umgebung ohnehin in die Stadt kamen. Gemutmaßt wird außerdem, dass die neue Regierung sich übers Wochenende in Ruhe bilden sollte.

Wer darf wählen? Die geografische Größe der 650 Wahlkreise variiert sehr, doch die Zahl der Wähler bewegt sich in den Wahlkreisen im Schnitt um die 70.000. Es gibt rund 64 Millionen Briten. Bei der vorangegangenen Parlamentswahl in Großbritannien 2010 waren 45,6 Millionen Menschen für die Wahl registriert – nur 29,7 Millionen gingen tatsächlich hin. Wie viele Briten sich in diesem Jahr registriert haben, wird erst nach der Wahl am 7. Mai bekannt gegeben.

Auch das hat Tradition: Die (ungefähr fünf) gewählten Vertreter der nordirischen Sinn Fein nehmen traditionell ihre Sitze in Westminster nicht ein – aus Protest gegen Großbritannien. Deswegen könnten 323 Sitze zur Mehrheit reichen.

Und wählt die Queen eigentlich auch? Das britische Wahlrecht hat zwar keine Klausel, die der Königin das Wahlrecht abspricht. Trotzdem gehen Queen Elizabeth II. und ihre Familie niemals wählen und kandidieren auch nicht. Denn Aufgabe der Monarchie ist es, im Vereinigten Königreich Kontinuität zu stiften und die Gesellschaft zu einen – das verträgt sich nicht mit Parteinahme. In ihrer Rolle als Staatsoberhaupt muss die Monarchin außerdem politisch neutral bleiben. Sie hält sich auch aus internationalen Wahlen wie der Europawahl heraus. Übrigens hat die Queen auch keinen Pass. Da britische Pässe im Namen Ihrer Majestät ausgestellt sind, braucht die Majestät selbst keinen.


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