Verständnis für Feiern zum Kriegsende Neudeck: Vietnam ist tief gespalten

Von Christof Haverkamp

Rupert Neudeck, Gründer von „Cap Anamur“. Foto: dpaRupert Neudeck, Gründer von „Cap Anamur“. Foto: dpa

Osnabrück. Der Gründer der Hilfsorganisation „Cap Anamur“, Rupert Neudeck, äußert Verständnis dafür, dass Vietnam an diesem Donnerstag das Kriegsende und den Sieg über die USA vor 40 Jahren feiert.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte Neudeck: „Die Feier ist wahrscheinlich unumgänglich, denn es war ein gewaltiger historischer Sieg eines Landes der Dritten Welt über die Supermacht der westlichen Welt.“ Doch die Erinnerung an den militärischen Sieg des kommunistischen Regimes über die USA am 30. April 1975 werde nicht die Spaltung Vietnams überwinden. Nach dem Sieg sei die Gesellschaft des Landes in zwei Teile zerfallen, die beide bis heute eine gesamtvietnamesische Versöhnung ablehnten. Neudeck hält die Situation der vietnamesischen Bootsflüchtlinge im Südchinesischen Meer mit jener der afrikanischen Flüchtlinge im Mittelmeer für vergleichbar: „Europa kann sich niemals erlauben, dass es Menschen einfach vor seinen Augen als Zuschauer zugrunde gehen lässt. Das war damals so, und das ist heute so.“

„Bis zu fünf Millionen Menschen verfemt“

In Vietnam sei es seinerzeit schwieriger als heute in Afrika gewesen, die Fluchtursachen zu bekämpfen. „Wir hatten ja damals keine Möglichkeit, in Vietnam selbst etwas humanitär oder politisch zu tun.“ Unter dem kommunistischen Regime seien bis zu fünf Millionen Menschen verfemt worden, die Kontakt mit Vertretern kapitalistischer Länder gehabt hätten. „ Cap Anamur “ habe erst ab 1988 in Vietnam helfen können, nachdem die letzte Rettungsaktion auf dem südchinesischen Meer im Juni 1987 aufgehört habe.

Der gemeinnützige Verein „Cap Anamur - Deutsche Not-Ärzte e.V.“ mit Sitz in Köln wurde 1979 von Rupert Neudeck und seiner Frau Christel gegründet. Anlass dafür waren vietnamesische Flüchtlinge, die 1979 über das südchinesische Meer fliehen wollten und mit ihren überladenen Booten in Lebensgefahr gerieten. Mehr als 10000 Menschen konnten nach Angaben des Vereins gerettet werden.


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