Frangi fordert Aufbauhilfe Gaza-Gouverneur kritisiert israelische Blockade des Gazastreifens

Von Franziska Kückmann

Abdallah Frangi, Gouverneur von Gaza: Die Welt vernachlässigt den Gazastreifen. Foto: dpaAbdallah Frangi, Gouverneur von Gaza: Die Welt vernachlässigt den Gazastreifen. Foto: dpa

Osnabrück. Abdallah Frangi, Gouverneur von Gaza, spricht im Interview über den Wiederaufbau in Gaza, die innerpalästinensische Versöhnung und die Chance auf einen Palästinenserstaat.

Herr Frangi, wie ist die Situation im Gazastreifen nach dem Krieg im vergangenen Sommer?

Die Lage in Gaza ist dramatisch. Es gibt bisher keinen Wiederaufbau, und es gibt auch kein Geld dafür. Die Menschen in Gaza haben einen harten Winter hinter sich, in dem so viel Regen gefallen ist wie selten. Das Wasser stand auf den Straßen und in den Ruinen der Häuser, und die obdachlosen Menschen wussten nicht, wohin sie gehen sollten. Kinder sind erfroren. Die Weltgemeinschaft vernachlässigt den Gazastreifen derart, dass ich für die Zukunft dieses Gebiets schwarzsehe.

Aber es wurde doch Aufbauhilfe versprochen?

Die Weltgemeinschaft hatte 5,4 Milliarden Dollar versprochen für den Wiederaufbau nach dem Krieg. Davon ist bisher kaum Geld angekommen. Die UN haben etwa 100 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt, doch das hat nicht einmal gereicht, um die Schulen zu reparieren, die von Raketen der israelischen Flugzeuge getroffen worden waren. Ich glaube sogar, dass 5,4 Milliarden Dollar nicht ausreichen werden, um die 70000 Häuser, die ganz oder teilweise zerstört worden sind, wiederaufzubauen.

Welches sind die dringendsten Schritte, die getan werden müssen?

Zuerst muss die Blockade vonseiten Israels aufgehoben werden. Die Kontrollen an der Grenze sollten UN-Kräfte durchführen und nicht die israelische Armee. Der Auftrag dazu muss vom Weltsicherheitsrat kommen. Es muss garantiert werden, dass lebensnotwendige Sachen in den Gazastreifen gelangen. Hinzu kommt, dass die Stromversorgung im Gazastreifen gesichert werden muss. Die Stromausfälle sind grausam: Stellen Sie sich vor, was es für die Betreuung von Patienten bedeutet, wenn es in einem Krankenhaus immer nur stundenweise Strom gibt! Das ist ein unhaltbarer Zustand.

Welche Rolle spielt die innerpalästinensische Konkurrenz zwischen Fatah und Hamas?

Die Spaltung der Palästinenser in Fatah und Hamas ist tatsächlich ein Hindernis für den Friedensprozess. Wir müssen uns anstrengen, die Einheit so schnell wie möglich wiederherzustellen, sonst schaden wir der palästinensischen Sache. Es ist ein Problem, dass uns bisher kein Versöhnungsprozess gelungen ist und die Einheitsregierung aus Fatah und Hamas deshalb immer noch nicht arbeiten kann.

Inwiefern sehen Sie eine Perspektive für einen ehrlichen Friedensprozess?

Die israelische Regierung hat uns in den vergangenen Jahren keine echte Chance auf Frieden angeboten. Auf israelischer Seite haben immer stärker die radikalen Kräfte das Sagen, die keinen Palästinenserstaat wollen. Wir nehmen diese Töne sehr ernst, weil sie unsere Zukunft betreffen. Es gibt Beschlüsse des Weltsicherheitsrates, die sagen, dass wir einen Palästinenserstaat bekommen. Doch daran hindern uns die israelische Politik, die Armee und die israelischen Siedler, die das Land bebauen, das einmal unser Staat werden soll. Das Land ist so zerstückelt, dass faktisch kein Palästinenserstaat entstehen kann. Deshalb ist unsere einzige Chance, dass die Weltgemeinschaft die Verantwortung dafür übernimmt, dass unser Staat gegründet wird. Auf Israel können wir uns nicht verlassen. Wir sind die Schwächeren in diesem Konflikt.


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