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Baron Armin Rohde will seinen Adelstitel loswerden

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Armin Rohde ist bester Dinge. Gut gelaunt betritt der Schauspieler die von ihm gewählte Bochumer Kneipe, in der manche Gäste noch frühstücken, während andere schon das zweite Bier bestellen. Er selbst beschränkt sich auf Wasser und schwarzen Kaffee, schließlich hat er ordentlich abgespeckt und will den Erfolg seines „Methabolic balance“ nicht gefährden. Im Gespräch outet sich der 54-Jährige als echter Baron und Buddhist, erzählt von seinen verschiedenen Namen und den anstrengenden Dreharbeiten zum ZDF-Krimi „Nachtschicht“:

Herr Rohde, Moritz Bleibtreu hat gerade eine Wachsfigur bei Madame Tussaud bekommen – haben Sie auch schon eine?
Nee, habe ich noch nicht. Man will die Kinder nicht erschrecken, die da reingehen (lacht).

Hätten Sie denn gerne eine Wachsfigur?
Als Ehrung würde mir das schon gefallen, als Schauspieler ist man ja ein bisschen eitel. Aber ich weiß nicht, ob ich mir selbst in Wachs gefallen würde. Porzellan oder rostiges Eisen fänd ich gut.

Wie sollte sie denn aussehen? Mit Bart oder lieber ohne?
Auch da bin ich mir nicht sicher. Ich hab den Bart jetzt jahrelang getragen und mir auch damit gefallen, aber im Moment überlege ich, ob ich ihn mir abnehme. Vielleicht ganz kurz, ganz ohne Bart käme ich mir etwas nackt und ungeschützt vor. Andererseits hat mich kürzlich ein Kollege von Ihnen gefragt, warum ich denn immer noch diesen altmodischen Bart trage. Da habe ich mich gefragt: Bin ich mit meinen 54 jetzt in dem Alter, in dem etwas an mir altmodisch aussieht, ohne dass ich es merke? Ich hab den Bart dann abgenommen, fand mich aber zu kahl und hab ihn gleich wieder wachsen lassen.

Darf die Wachsfigur auch ein bisschen schlanker sein oder haben Sie schon genug abgenommen?
12 Kilo sind jetzt runter, ich bin jetzt bei 98 Kilo und würde gerne noch 8 Kilo runterkriegen. Dann brauchen die bei Madame Tussaud auch nicht so viel Material.

Sie haben mit einer Methode namens „Metabolic balance“ abgespeckt – wie funktioniert das?
Kohlenhydrate reduzieren, Eiweiße rauf. So gut wie kein Fett außer dem, das in Lachs enthalten ist, und drei Esslöffel unraffiniertes Öl, also Oliven- oder Walnussöl. 3 Mahlzeiten pro Tag mit 5 Stunden Abstand. Mein Frühstück besteht aus einer Tasse schwarzem Kaffee, einem Apfel, 50 Gramm Haferflocken und 220 Milliliter Sojamilch.

Lecker.
Grausam. Zumindest am Anfang. Ich hab ja Eier und Speck geliebt, dann noch ein Käsetoast hinterher und noch eins mit Marmelade. Haferflocken und Sojamilch waren für mich unvorstellbar. Inzwischen genieße ich es richtig und freu mich drauf. Damit fängt der Tag gut an, ich habe Kraft und Energie für die nächsten paar Stunden. Der Unterschied zu einer Diät ist: Man bringt dem Körper bei, nach Dingen zu verlangen, die ihm gut- tun.

Rührei, Speck und Käse...
...sind drei verschiedene Sorten Eiweiß, damit hat der Körper zu kämpfen. Selbst wenn ich es versuche, es geht gar nicht mehr. Ich muss davon aufstoßen, fühle mich unwohl und aufgedunsen, also lasse ich es lieber sein.

Und abends?
Gibt es eine große Portion Eiweiß mit wenig Gemüse. Wenn ich nicht übersäuern würde, könnte ich mich nur von Lachs ernähren – gebraten, gedünstet, gekocht, egal wie. Wahrscheinlich wollte der liebe Gott aus mir eigentlich einen Grizzly machen.

Sie haben ein Riesen-Tattoo auf dem Oberarm, soll das auch mit auf die Wachsfigur?
Wollen Sie darauf anspielen, dass ich öfters nackig rumlaufe? (lacht) Normalerweise stehen die Leute bei Madame Tussaud doch bekleidet rum, aber vielleicht kriege ich ja einen Anzug, an dem der rechte Ärmel fehlt. Das Tattoo habe ich mir übrigens mit meiner Frau zum dritten Hochzeitstag machen lassen.

Was soll das eigentlich darstellen?
Ein verschlungenes Labyrinth.

Wollten Sie es schon mal wieder entfernen lassen?
Es stört immer dann, wenn ich in Rollen mit freiem Oberkörper auftrete und es nicht zum Charakter passt. So ein Tattoo abzudecken ist eine unglaubliche Prozedur, da wird immer wieder Gummimilch drübergekippt, weil es durch normales Make-up durchleuchtet. Als ich in „St. Pauli Nacht“ einen Postboten spielte, der nackt, betrunken und bewaffnet über die Reeperbahn läuft, habe ich eine fleischfarbene Elastikbinde genommen. Jemand, der ständig diese schwere Posttasche trägt, hat ja wahrscheinlich was an der Schulter. Und ich war zumindest teilweise bekleidet.

Haben Sie noch mehr Tattoos?
Es ist das einzige. Aber man muss sich zusammenreißen. Wenn man eins hat machen lassen, sucht man sehr bald nach Stellen, an denen man noch eins haben will. Und noch eins. Da setzt ein kleiner Suchtfaktor ein. Meine Frau hat inzwischen mehrere, innen am Handgelenk die Flagge von New Mexico, wo sie ein Stipendium hatte, und meinen Namen auf dem anderen Arm.

Ihre Frau ist Malerin.
Künstlerin. Sie malt zwar auch, aber im Moment beschäftigt sie sich mehr mit Installationen und Skulpturen.

Baronin ist sie auch.
Das will sie aber gar nicht hören. Als Künstlerin nennt sie sich nur Angela Schilling.

Da hatten Sie ja die Gelegenheit, bei Ihrer Hochzeit ein echter Baron zu werden.
Ich bin ein echter Baron (zeigt seinen Ausweis): Armin Kurt Rohde-Baron von Schilling. Ich weiß auch nicht, was mich bei der Hochzeit geritten hat, aber ich habe den Namen meiner Frau angenommen. Mittlerweile überlege ich, wie ich den Baron wieder loswerde.

Wieso das denn?
Es ist unglaublich lästig, wenn man ins Ausland reist, vor allem in die USA. Der Name passt in diese Anmeldeformulare nicht rein, die Amerikaner sind da so was von genau. Ich habe ständig Ärger an der Grenze oder auch nur, wenn ich mein Flugticket abholen will. Mal liegt es unter Baron, mal unter von, dann unter Schilling, unter Rohde, unter Kurt oder unter Armin. Ich habe schon mal einen Flieger verpasst, weil sich das bis zum Abflug nicht klären ließ. Als man endlich mein Ticket gefunden hatte, war es zu spät.

Was sagt Ihre Frau denn, wenn Sie den Adelstitel zurückgeben?
Die würde sowieso lieber so heißen wie ich, das wollte sie bei der Hochzeit schon. Als man mich noch nicht kannte, wollte sie schon lieber Frau Rohde als Baronin von Schilling sein. Damals habe ich allerdings gesagt: Lass mich doch für Spaß Baron sein. Total bescheuert.

Sie haben ja noch einen buddhistischen Namen – Karma Galeg Palsang. Was heißt das eigentlich?
Es gibt zwei Übersetzungen: Die eine heißt „Der Allglückselige“. Die andere finde ich schöner, einleuchtender und hat auch mehr mit meinem Leben zu tun. Die habe ich von einem tibetischen Mönch bei der Eröffnung eines thailändischen Restaurants in München bekommen. Er hat Karma Galeg Palsang übersetzt mit „Der mit seinen Taten glücklich unterwegs ist“.

Und wo hat man Ihnen diesen Namen gegeben?
Bei einer Zeremonie in Wuppertal. Das war in einer WG mit sehr großen Räumen, da kam ein Lama, also ein tibetischer Mönch, und die Wuppertaler Buddhisten saßen ehrfürchtig im Schneidersitz auf dem Teppich. Um eine Frau zu beeindrucken, hinter der ich schon eine Weile her war, habe ich mich da locker und uneingeschüchtert weihen lassen und den Namen Karma Galeg Palsang bekommen. Im Flur hing übrigens eine große Schiefertafel, auf der man Infos hinterlassen konnte. Ich bin dann als Erster gegangen und hab auf die Tafel geschrieben „Bin inner Pommesbude – Euer Karma Galeg“. Das wird mir zum Teil in der Wuppertaler Buddhistenszene heute noch übel genommen (lacht). Aber dafür war ich mit der Frau zwei Jahre zusammen.

Ihre Hinwendung zum Buddhismus hatte aber nicht nur diesen Grund, oder?
Nein, es ist einfach eine Religion, die mir sehr sympathisch ist. Westliche Menschen treten ja oft wegen dieser Wiedergeburtsgeschichte zum Buddhismus über, dabei will der Buddhist ja gar nicht wiedergeboren werden. Der will erleuchtet werden und ins Nirwana eingehen, während die Westler Chancen sehen, mal als Kaktus oder Krokodil rumzulaufen.

Und warum ist Ihnen der Buddhismus sympathisch?
Mir gefällt die Gewaltfreiheit.. Das ist zwar auch die christliche Predigt, aber in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrtausenden hat man sich ja herzlich wenig daran gehalten. Der Buddhismus hat auch nicht dieses westlich-bürokratische „Entweder oder“. Da bin ich eher ein Freund des entspannten „Sowohl-als-auch“.

Wie intensiv praktizieren Sie den Buddhismus?
Ich mache Qigong, diese Bewegungs-Meditation, bei der man ganz langsame Bewegungen macht. Und in meinem Haus gibt es sieben Buddha-Figuren. Die strahlen eine große Ruhe aus, das gefällt mir einfach. So eine Figur ist ein viel schöneres Symbol für eine Religion als ein gefolterter Mensch. Im Christentum geht es doch auch um die Erlösung, warum wird dann kein anderes Symbol verwendet als das eines furchtbaren Todes? Stellen Sie sich mal vor, Jesus wäre auf dem elektrischen Stuhl gestorben, dann hätten wir heute einen elektrischen Stuhl an der Wand hängen und würden ihn anbeten. Warum hat man nicht einfach den Moment der Himmelfahrt als Symbol genommen?

Glauben Sie an die Wiedergeburt?
Vielleicht als Grizzly, dann könnte ich so viel Lachs essen, wie ich will, ohne zu übersäuern (lacht). Aber ich glaube nicht wirklich dran, auch wenn es keine Beweise gibt. Es gibt ja Menschen, bei denen man das Gefühl hat: Der oder die war schon mal da, das ist nicht die erste Runde, die diese Seele hier dreht.

Wie äußert sich das?
An der Art und Weise, wie sie einen anschauen, wie sie sich die Welt anschauen, was sie in Aufregung versetzt oder eben nicht, was sie attraktiv finden. Bei mir habe ich allerdings nicht das Gefühl, dass ich schon öfters da war. Oder doch? Ich weiß es nicht. Vielleicht wirklich nur als Kaktus, der nicht viel mitgekriegt hat.

Letztes Wochenende wurde die „Ruhr 2010“ eröffnet – eine große Bühne für Sie als Bochumer...
Es gibt 2500 Veranstaltungen, und alle möglichen Veranstalter versuchen, mich als Protagonisten miteinzubeziehen. Ich bin zwar gerne im Ruhrgebiet, lebe gerne in Bochum und identifiziere mich zu großen Teilen mit der Region – aber ich habe keine Lust, aus mir den Parade-Ruhri schnitzen zu lassen. Ich habe gerne meine Ruhe und möchte hier nicht als Galionsfigur des Ruhrgebiets rumlaufen. Deshalb habe ich sogar Aktionen abgesagt, zu denen ich eigentlich Lust gehabt hätte. Ich möchte einfach nur hier leben.

Am Montag sind Sie mal wieder als Hamburger Kommissar Erichsen in „Nachtschicht“ zu sehen – ein auffälliges Krimiformat, das nur einmal im Jahr zu sehen ist.
Und das sehr erfolgreich. Wir haben immer wieder um die sechs Millionen Zuschauer. Aber das Ganze ist so anstrengend, dass man diese Dreharbeiten nicht beliebig oft veranstalten kann. Diese Nacht, die da im Film auf 90 Minuten komprimiert wird, tun wir uns ja wirklich an. Im Winter wird man nachmittags gegen drei abgeholt, dann ist es halb fünf, bis man geschminkt und umgezogen ist. Um fünf fangen wir an zu drehen, und das geht dann bis zum nächsten Morgen um fünf. In dieser Zeit bin ich immer sehr, sehr müde, da geht auch nichts anderes mehr.

Die neue Folge strotzt nur so von durchgeknallten Typen.
Lars Becker, der Autor und Regisseur von „Nachtschicht“ ist, wohnt selbst im Hamburger Kiez und weiß, wie durchgeknallt das Leben ist. Auch das Verbrechen kommt ja nicht seriös und geordnet daher, da gibt es die absurdesten Situationen. Mir hat ein Polizist vom Dortmunder KDD gesagt, er und seine Kollegen wären echte Fans, wir kämen der Realität am nächsten.


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