Ein Kinderhilfswerk entsteht Gründung von terre des hommes: Bilder aus Vietnam gaben Anstoß

Terre des hommes lässt verletzte Kinder aus Vietnam nach Deutschland fliegen und hier versorgen. Foto: tdhTerre des hommes lässt verletzte Kinder aus Vietnam nach Deutschland fliegen und hier versorgen. Foto: tdh

Osnabrück. Die Bilder der Kriegsopfer in Vietnam haben den entscheidenden Anstoß gegeben: Am 8. Januar 1967 gründete sich in Stuttgart die deutsche Sektion des Kinderhilfswerks terre des hommes (tdh).

Vorbild war die gleichnamige, 1960 in der Schweiz gegründete Organisation. Die ersten terre-des-hommes-Aktivisten in Deutschland setzten sich für verletzte vietnamesische Kinder ein und ließen sie zur Behandlung nach Deutschland fliegen.

„Mit Vietnam verbindet uns eine ganz besondere Beziehung“, sagt Michael Heuer, Pressereferent bei terre des hommes. „Es ist das erste Land, in dem wir als Kinderhilfswerk aktiv waren – und wir sind es ohne Unterbrechung bis heute.“ Die Bilder der verletzten Kinder, die auf Initiative von terre des hommes auf deutschen Flughäfen landeten und zur Behandlung in Kliniken gebracht wurden, machten den blutigen Konflikt im fernen Südostasien plötzlich greifbar. Das Leid der jungen Kriegsopfer motivierte immer mehr Menschen, sich zu engagieren. Sie sammelten Geld für Flüge und Operationen, boten den Kindern während ihres Aufenthalts in Deutschland eine Unterkunft an und gründeten Ortsgruppen, um sich besser zu organisieren.

Das heute in Osnabrück ansässige Kinderhilfswerk wurde aber auch direkt im Kriegsgebiet aktiv. 1968 kaufte terre des hommes ein Haus in Saigon, der damaligen südvietnamesischen Hauptstadt, und übernahm ein bereits bestehendes Waisenhaus. Mitarbeiter waren immer wieder vor Ort und versuchten, trotz des Kriegs verletzte und verwaiste Kinder zu versorgen, Ärzte und Hilfspersonal zu engagieren und weitere Projekte zu planen. Das Hilfswerk vermittelte Patenschaften für Waisenkinder und Adoptionen nach Deutschland. Auch für die Bootsflüchtlinge aus Vietnam, die Ende der 1970er und in den 1980er-Jahren nach Deutschland kamen, setzte sich die Organisation mit großem Engagement ein.

Nach dem Ende des Kriegs blieb terre des hommes in Vietnam und half unter anderem beim Aufbau einer sozialen Infrastruktur. Inzwischen konzentriert sich die Projektarbeit dort auf abgelegene ländliche Regionen. Die Vermittlung von Adoptionen hat das Kinderhilfswerk 1994 eingestellt. Mit den Jahren hat es seine Arbeit weltweit ausgeweitet und ist mittlerweile mit rund 400 Projekten in mehr als 30 Ländern aktiv. Dabei arbeitet es eng mit regionalen Partnern zusammen und engagiert sich international für die Stärkung und Achtung von Kinderrechten. Den Kindern in Vietnam ist es treu geblieben.


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