Lockerung der Gesetze gefordert Kommunen: Tanzverbot am Karfreitag nicht zeitgemäß

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Osnabrück. Der Deutsche Städte-und Gemeindebund befürwortet mit Blick auf das Tanzverbot am Karfreitag eine Lockerung der Feiertagsgesetze.

Nötig sei eine „größere Anpassung an die gesellschaftliche Realität“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Deutschland sei nach wie vor ein vom Christentum geprägtes Land. Dem müsse der Staat auch durch die Feiertagsgesetze Rechnung tragen, betonte er. Aber er sollte „dabei die Menschen nicht bevormunden und ihnen vorschreiben, wie sie zu feiern oder zu leben hätten“. Es gehe darum, den Christen die Möglichkeit zu geben, diesen Tag in Stille zu begehen, ohne anderen ihre Lebensweise vorzuschreiben, erklärte der Kommunalvertreter. Insoweit könne auch eine Tanzveranstaltung in geschlossenen Räumen die Feiertagsruhe der übrigen kaum stören.

„Menschen nicht bevormunden“

Das „Tanzverbot“ betreffe auch andere öffentliche Veranstaltungen wie beispielsweise Sportveranstaltungen, kritisierte Landsberg weiter. Hier müssten die „Spielräume vor Ort erhöht werden“. Stärker zu beachten seien auch regionale Besonderheiten. Der Karfreitag werde in einem katholischen Dorf in Bayern anders begangen als in einem multikulturellen Stadtteil von Berlin oder einer anderen Großstadt. So gelte beispielsweise in Bayern am Karfreitag über das allgemeine Tanzverbot hinaus ein generelles Verbot musikalischer Darbietungen jeglicher Art in Räumen mit Schankbetrieb. Im Gegensatz dazu beginne in Berlin alljährlich am Karfreitag ein großes Tanzturnier. In Baden-Württemberg will die grün-rote Landesregierung die Regeln zum Tanzverbot lockern. Innerhalb des Kabinetts soll bald ein Gesetzentwurf besprochen und mit den Kirchen abgestimmt werden, wie ein Sprecher des Innenministeriums sagte.

„Lebenswirklichkeit entwickelt sich anders“

In Niedersachsen steht an Karfreitag das öffentliche Leben still. Das „Niedersächsische Gesetz über die Feiertage „ verordnet dann nicht nur Arbeitsruhe, sondern verbietet auch öffentliche Sportveranstaltungen und alle Aktionen, die über den Schank- und Speisebetrieb hinausgehen. Anders als in Stuttgart denkt die rot-grüne Landesregierung in Hannover aber nicht an eine Lockerung. „Es gibt keine Bestrebungen dazu“, sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Innenministeriums.

Die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers begrüßte die niedersächsische Regelung: „Das tut der Gesellschaft gut. Es ist wichtig, in unserer hektischen Welt auch einmal einen ruhigen Tag zu haben und über Vergänglichkeit und Sterben nachzudenken“, sagte Sprecher Johannes Neukirch. Das gelte gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse. Weniger Verständnis für den stillen Feiertag hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Niedersachsen. „Die Lebenswirklichkeit entwickelt sich seit Jahren in die Richtung, dass die Leute, gerade die jüngeren, trotz dieser „hohen Kirchentage“ ein Bedürfnis nach Zerstreuung empfinden und dies gerne tanzend befriedigen würden“, sagte Geschäftsführer Rainer Balke.

In Bremen bereits lockerer

In Bremen wurde die Feiertagsregelung schon 2013 wegen einer Petition aufgelockert. Hier gilt die gesetzlich verordnete Karfreitagsruhe nur noch von 6.00 bis 21.00 Uhr. Ab 2018 soll sie ganz abgeschafft werden. Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in Bremen unterstützt die Abschaffung. „Man muss sich fragen, ob das noch zeitgemäß ist“, sagte Geschäftsführer Thomas Schlüter. „Ich bin erst froh, wenn die Regelung ganz weg ist.“Trotz aller Lockerungen drehen sich am Karfreitag allerdings keine Karussells auf dem Bremer Volksfest Osterwiese. Wie in allen Jahren bleibt das Fest an dem Tag geschlossen. Die Osterwiese wurde am 27. März eröffnet und dauert bis zum 12. April.Kritik an der Auflockerung kommt vom Katholischen Gemeindeverband Bremen. „Wir hoffen, dass darüber noch mal diskutiert wird. Privat können die Leute ja feiern, wie sie möchten. Ich finde, das ist eine Frage der Toleranz“, sagte Sprecherin Martina Höhns. (mit dpa)

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