Kiewer Bürgermeister: Gegen Regime gekämpft Klitschko räumt Zusammenarbeit mit Partei Swoboda ein

Vitali Klitschko (links) bei einer Demonstration auf dem Maidan in Kiew am 19. Januar 2014. Die Polizei setzte damals Tränengas ein. Foto: Roman PilipeyVitali Klitschko (links) bei einer Demonstration auf dem Maidan in Kiew am 19. Januar 2014. Die Polizei setzte damals Tränengas ein. Foto: Roman Pilipey

Osnabrück. Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko hat eingeräumt, zeitweise mit der rechten „Swoboda“-Partei zusammengearbeitet zu haben. In einem Interview mit unserer Redaktion sagte Klitschko: „Die Partei Swoboda war einer der politischen Kräfte, die auf dem Maidan stand.“

Klitschko, der auch Vorsitzender der prowestlichen ukrainischen Partei UDAR ist, fügte hinzu: „Wir haben dort zusammen gegen das Regime von Janukowitsch gekämpft, wie Millionen von Ukrainern in Kiew und in anderen ukrainischen Städten. Jetzt über irgendwelche Verabredungen zu reden ist sinnlos.“ Klitschko beklagte, es gebe jetzt „eine Menge Manipulation durch russische Propaganda“. Leider würden viele Menschen davon beeinflusst. (Weiterlesen:Heute Abend Proteste bei Klitschkos Besuch in Osnabrück?)

Klitschko nimmt heute Abend um 19 Uhr an den Osnabrücker Friedensgesprächen teil. Linke Gruppen werfen dem ehemaligen Profiboxer vor, er habe eine Zeit lang mit der Sowobda-Partei paktiert. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Osnabrücker Rathaus, Frank Henning, lehnt daher eine Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Osnabrück ab. Klitschko hatte sich in Berlin und Hamburg ins Goldene Buch eingetragen. (Weiterlesen: Vitali Klitschko im Interview: Ich bekomme regelmäßig Drohungen)

„Absolute Lüge und Spekulation“

Als „absolute Lüge und Spekulation“ bezeichnete Klitschko Vorwürfe, er habe als Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew dazu beigetragen, dass die tödlichen Schüsse auf dem Maidan nicht gerichtlich aufgeklärt würden. „Ich habe immer betont, dass alle, die an den Schießereien auf dem Maidan beteiligt waren, bestraft werden sollen“, erklärte Klitschko. „Und das diese Untersuchung transparent sein sollte.“ Die Gesellschaft müsse wissen, wer die Befehle ausgegeben und wer sie ausgeführt habe und sie müsse sehen, dass die Verbrecher bestraft würden.


Vitali Klitschko wurde am 19. Juli 1971 in Belowodskoje (heute Kirgistan) geboren. Sein Vater war ukrainischer Offizier in der Sowjetarmee. Von 1996 bis 2013 war Klitschko Profiboxer. Sein jüngerer Bruder ist Wladimir Klitschko, der sich ebenfalls als Boxer einen Namen gemacht hat. Beide engagierten sich in der Orangenen Revolution in der Ukraine. 2006 trat Vitali Klitschko erstmals bei der Bürgermeisterwahl in Kiew an, konnte sich aber mit einem Anteil von 29 Prozent der Stimmen nicht durchsetzen. 2010 wurde er zum Vorsitzenden der neuen pro-westlichen Partei Ukrainische demokratische Allianz für Reformen (UDAR) gewählt. (Das russische und ukrainische Wort Udar bedeutet Schlag.) Er war Spitzenkandidat der Partei für die Parlamentswahlen 2012. Bei den Protesten auf dem Maidan-Platz in Kiew gehörte er Anfang 2014 zu den wichtigsten Vertretern der Opposition. Zum Bürgermeister von Kiew wurde Klitschko am 25. Mai 2014 gewählt.

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