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Donnerstag bei Friedensgesprächen in Osnabrück Klitschko: Russland bedroht über Ukraine hinaus ganz Europa

Vitali Klitschko ist seit 2014 Bürgermeister von Kiew. Foto: Robert GhementVitali Klitschko ist seit 2014 Bürgermeister von Kiew. Foto: Robert Ghement

Osnabrück. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko wirft Russland vor, über die Ukraine hinaus ganz Europa zu bedrohen. In einem Interview mit unserer Redaktion bezeichnete Klitschko sein Land „als Vorposten, der die Aggression Russlands im Herzen Europas zurückhält“.

Der Parteivorsitzende der prowestlichen ukrainischen Partei UDAR und frühere Profiboxer fügte hinzu: „Wenn die Ukraine diesen Kampf um seine europäische Zukunft verliert, dann verliert ganz Europa. Das müssen wir alle verstehen.“ Klitschko forderte in diesem Zusammenhang die Lieferung von Verteidigungswaffen und finanzielle Hilfen. (Weiterlesen:Heute Abend Proteste bei Klitschkos Besuch in Osnabrück?)

„Regelmäßig Drohungen“

Auf die Frage, ob er um seine Sicherheit fürchten müsse, antwortete Klitschko: „Ich bekomme regelmäßig Drohungen.“ Das bedeute aber nicht, dass er sich mit einer Menge von Sicherheitsleuten umgebe. Auch besuche er Veranstaltungen wie Fußballspiele und Konzerte und gehe auf öffentliche Plätze. Der russischen Regierung warf der ukrainische Politiker vor, Ausrüstung aus strategisch wichtigen Industrieanlagen aus dem Osten der Ukraine nach Russland zu transportieren. Er kündigt an, diesen „Diebstahl“ werde die Ukraine vor einem internationalen Gericht anzeigen.

Sanktionen gegen Russland

Russland versuche, mit Einschüchterung und Panikmache die Situation in der Ukraine zu destabilisieren und wolle mit allen Mitteln die Entwicklung zu einem europäischen, demokratischen Land verhindern. Klitschko forderte deshalb noch härtere Sanktionen gegen Russland und erklärte, die Ukraine sei an einer friedlichen, diplomatischen Lösung im Osten des Landes interessiert. Die Separatisten hielten sich aber nicht an das Minsker Abkommen zum Waffenstillstand. Während die Ukraine schwere Waffen abgezogen habe, feuerten die Rebellen weiterhin Raketen auf Städte und Dörfer.

Klitschko kommt an diesem Donnerstag zu den Osnabrücker Friedensgesprächen. Sein Besuch hat im Vorfeld zu heftigen Diskussionen geführt. Den Besuch des Kiewer Bürgermeisters halten die meisten Osnabrücker aber für in Ordnung.


Vitali Klitschko wurde am 19. Juli 1971 in Belowodskoje (heute Kirgistan) geboren. Sein Vater war ukrainischer Offizier in der Sowjetarmee. Von 1996 bis 2013 war Klitschko Profiboxer. Sein jüngerer Bruder ist Wladimir Klitschko, der sich ebenfalls als Boxer einen Namen gemacht hat. Beide engagierten sich in der Orangenen Revolution in der Ukraine. 2006 trat Vitali Klitschko erstmals bei der Bürgermeisterwahl in Kiew an, konnte sich aber mit einem Anteil von 29 Prozent der Stimmen nicht durchsetzen. 2010 wurde er zum Vorsitzenden der neuen pro-westlichen Partei Ukrainische demokratische Allianz für Reformen (UDAR) gewählt. (Das russische und ukrainische Wort Udar bedeutet Schlag.) Er war Spitzenkandidat der Partei für die Parlamentswahlen 2012. Bei den Protesten auf dem Maidan-Platz in Kiew gehörte er Anfang 2014 zu den wichtigsten Vertretern der Opposition. Zum Bürgermeister von Kiew wurde Klitschko am 25. Mai 2014 gewählt.

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