„Überfällige Entscheidung“ Kopftuch-Urteil: Lob von Islamwissenschaftler Ucar

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Bülent Ucar lobt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Foto: Rolf VennenberndBülent Ucar lobt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Foto: Rolf Vennenbernd

Osnabrück. Der Osnabrücker Islamwissenschaftler Bülent Ucar hat das Kopftuch-Urteil des Bundesverfassungsgerichts begrüßt. In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte Ucar, die Entscheidung sei überfällig gewesen.

Das vorherige Kopftuch-Urteil der Karlsruher Richter von 2003 sei „gesellschaftspolitisch falsch“ gewesen und faktisch einem Berufsverbot für die betroffenen Frauen gleichgekommen. „Das war nicht angemessen“, sagte der Direktor des Instituts für Islamische Theologie in Osnabrück. „Das wurde jetzt korrigiert.“

Muslimischen Frauen, die erfolgreich ein Lehramtsstudium abgeschlossen hätten, dürfe man nicht unterstellen, dass sie gegen ihren eigenen Willen ein Kopftuch tragen würden. Für sie sei das Tragen kein Zeichen der Unterdrückung. Nach Einschätzung von Ucar wird die Zahl muslimischer Lehrerinnen, die künftig ein Kopftuch im Unterricht tragen, „überschaubar“ sein. „Das muss diese Gesellschaft ertragen.“ Deutschland lerne den Umgang mit Vielfalt, „fernab von aggressiv-militant geführten laizistischen Debatten“, stellte der Islamwissenschaftler fest.

Ucar hält es allerdings für problematisch, dass die Verfassungsrichter ein Verbot dann für möglich halten, wenn es zur konkreten Gefährdung oder Störung des Schulfriedens führen könne. Diesen Passus müssten die Juristen noch konkretisieren. Es dürfe nicht dazu führen, dass antiislamisch gestimmte Eltern dies als Hebel gegen muslimische Lehrerinnen nutzten, weil sie meinten, „Krawall machen zu müssen“.


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