Polizeibeamter und Stasi-Agent Ohnesorg-Todesschütze: Wer war Karl-Heinz Kurras?

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Osnabrück. Der ehemalige Polizeibeamte und Stasi-Agent Karl-Heinz Kurras ist laut übereinstimmenden Medienberichten tot. Er erschoss am 2. Juni 1967 den Berliner Demonstranten Benno Ohnesorg und galt damit als Mitauslöser der Studentenunruhen von 1968. Wer war Karl-Heinz Kurras?

Kurras wurde 1927 in Ostpreußen geboren. Nach dem Kriegsdienst begann er eine Verwaltungslehre. Er war zunächst Mitglied der KPD, später gleichzeitig bei SPD und SED. Nach einer Haft in der sowjetischen Besatzungszone bis zum Februar 1950 trat er in den Dienst der West-Berliner Polizei. Kurras war zunächst Polizeimeister im Bezirk Charlottenburg und wurde 1959 zum Kriminalobermeister befördert.

Spion der DDR

Im Jahr 2009 kam heraus, dass Kurras auch als Spion für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR arbeitete. Eigentlich wollte Kurras in die DDR übersiedeln, um dort für die Volkspolizei zu arbeiten. Vertreter des MfS überzeugten ihn aber, dass er als Spion bei der West-Berliner Polizei bessere Dienste leisten kann. Fortan verpflichtete er sich unter dem selbst gewählten Decknamen „Otto Bohl“ mit dem MfS zu kooperieren und zu konspirieren. Im Juli 1962 wurde er auf eigenen Wunsch in die SED aufgenommen.

Schuss auf Ohnesorg

Bei einem Polizeieinsatz am 2. Juni 1967 schoss der damalige Kriminalobermeister Kurras dem 26-jährigen Demonstranten Benno Ohnesorg mit seiner Dienstwaffe in den Hinterkopf. Dieser verstarb auf dem Weg ins Krankenhaus. Kurras wurde 1971 für die Tat freigesprochen. Warum er den tödlichen Schuss abgab, ist bis heute ungeklärt. Der Todesschütze selbst verstrickte sich in seinen Erklärungen oft in Widersprüche. Er behauptete, unter anderem aus Notwehr gehandelt zu haben. Gegen diese Aussagen sprechen jedoch jüngste Ermittlungen der Bundesstaatsanwaltschaft und Recherchen des „Spiegels“. Demnach gab Kurras den Schuss aus kurzer Distanz ab.

Die Folgen

Fest steht, dass der Tod Benno Ohnesorgs und der Freispruch Kurras bundesweite Studentenproteste mobilisierten. In der DDR hingegen wurde der Todesschuss für die Propaganda gegen die Bundesregierung instrumentalisiert. In den Stasi-Akten zu Kurras, die 2009 an die Öffentlichkeit gelangten, ordnete das MfS per Funkspruch an: „Material sofort vernichten. Vorerst Arbeit einstellen. Betrachten Ereignis als sehr bedauerlichen Unglücksfall.“ Am 9. Juni 1967 wurde die Verbindung zu ihm abgebrochen. In West-Berlin wurde Kurras schon 1967 für seinen ersten Prozess vom Polizeidienst suspendiert.

Tod in Berlin

Ab 1971 übernahm die West-Berliner Polizei Kurras in den Innendienst. Er wurde zum Kriminaloberkommissar befördert und bezog seit 1987 eine Beamtenpension. Nach „Spiegel“-Informationen starb Kurras bereits am 16. Dezember, wenige Tage nach seinem 87. Geburtstag, in einer Plattenbausiedlung in Berlin-Spandau.


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