Erst Auslandseinsatz, dann psychisch krank Grüne: Mehr Hilfen für traumatisierte Soldaten

Einsatz in Afghanistan im Jahr 2002: Die Zahl der nach einem Auslandseinsatz traumatisierten Soldaten steigt. Häufig offenbart sich das Problem erst Jahre später. Foto: dpaEinsatz in Afghanistan im Jahr 2002: Die Zahl der nach einem Auslandseinsatz traumatisierten Soldaten steigt. Häufig offenbart sich das Problem erst Jahre später. Foto: dpa

Osnabrück. Die Zahl der im Auslandseinsatz traumatisierten Soldaten steigt. Die Grünen fordern, die Hilfen für Betroffene zu verstärken, wie die sicherheitspolitische Sprecherin Agnieszka Brugger unserer Redaktion sagte. Der verteidigungspolitische Sprecher der Union, Henning Otte, sieht auch Gutes: Das Thema sei kein Tabu mehr, sagte er unserer Redaktion. Und Hans-Peter Bartels (SDP), Chef des Verteidigungsausschusses, riet im Gespräch mit unserer Redaktion dazu, den Fokus verstärkt auf ausscheidende Soldaten zu richten.

Trauma Auslandseinsatz: Die Zahl der psychisch kranken Soldaten steigt . 2014 wurden 431 Soldaten wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) behandelt, 204 litten unter Angstzuständen oder Depressionen. Die Zahl der Neuerkrankungen stieg um 25,6 Prozent im Vergleich zu 2013. Angesichts dieser Zahlen fordert Agnieszka Brugger, Sprecherin der Grünen für Sicherheitspolitik und Abrüstung, von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mehr Hilfsangebote für traumatisierte Bundeswehrsoldaten. In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte sie: „Frau von Leyen ist hier in der Pflicht, den Betroffenen mit mehr Personal und besseren Betreuungsangeboten zu helfen.“ Dies gelte insbesondere für Soldaten, die aus der Bundeswehr ausgeschieden seien und oft in Vergessenheit gerieten , betonte Brugger.

Brugger: Zu viele Fälle unerkannt

Zwar habe sich in den vergangenen Jahren„vieles durch den Druck aus dem Parlament heraus erheblich verbessert“. Mittlerweile kümmere sich etwa ein PTBS-Beauftragter um Betroffene, erklärte sie. Doch immer noch blieben „viel zu viele Fälle unerkannt“, so die Grüne. „Auch die Verfahren für die Anerkennung dieser Krankheit dauern viel zu lange“, kritisierte Brugger. „Die Situation der psychisch erkrankten Soldatinnen und Soldaten darf auch nach dem ISAF-Einsatz in Afghanistan nicht in Vergessenheit geraten, gerade weil eine PTBS erst mit einiger Verzögerung auftreten kann“, forderte Brugger.

Otte: Kein Tabuthema mehr

Henning Otte, verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, interpretiert die wachsende Zahl auch als Symbol für eine gesteigerte Sensibilität innerhalb der Bundeswehrgegenüber psychischen Erkrankungen. In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte Otte: „Die steigende Anzahl von Soldaten, die aufgrund traumatisierender Erfahrungen Hilfe in Anspruch nehmen zeigt, dass seelische Verwundungen in den Streitkräften kein Tabuthema mehr sind, und das ist gut so.“ Die Versorgung der Betroffenen sei beispielgebend im Vergleich aller Armeen, betonte der CDU-Politiker und verwies auf das Traumazentrum in Berlin, welches die benötigte Hilfe böte. Dies sei angemessen, erklärte Otte: „Jeder Soldat, der mit psychischen Problemen aus einem Auslandseinsatz zurückkehrt, verdient die bestmögliche Behandlung.“

Bartels: Ausscheidende im Blick behalten

Hans-Peter Bartels (SPD), Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Bundestag , rät dazu, den Fokus vermehrt auf ausscheidende Soldaten zu legen. In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte er: „Manchmal entwickelt sich ein Trauma Jahre oder Jahrzehnte nach dem Einsatz. Deswegen muss die Bundeswehr verstärkt darauf achten, aus dem Dienst scheidende Soldaten zu informieren, dass dies geschehen kann und an wen sie sich im Zweifel wenden können.“ Der Umgang mit psychischen Erkrankungen in der Truppe sei „heutzutage deutlich besser als früher“, sagte Bartels, auch die Betreuungsangebote seien gut. Dieses Niveau müsse gehalten werden, da auch in Zukunft mit einer nennenswerten Zahl Betroffener zu rechnen sei, erklärte der SPD-Politiker. „Die Zahl der Soldaten in Auslandseinsätzen ist rückläufig. Das heißt aber nicht automatisch, dass auch die Zahl traumatisierter Soldaten sinkt“, sagte Bartels.


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