Entwurf stößt auf Kritik Erdkabel vor allem für Gabriels Wahlkreis?

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Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will die von vielen Bürgern geforderten, aber aus Kostengründen oft verweigerten Erdkabel testen lassen - und schlägt dafür auch eine Strecke in seinen Wahlkreis vor. Foto:dpaBundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will die von vielen Bürgern geforderten, aber aus Kostengründen oft verweigerten Erdkabel testen lassen - und schlägt dafür auch eine Strecke in seinen Wahlkreis vor. Foto:dpa

Berlin/Osnabrück. Die umstrittene Stromtrasse Sued-Link bringt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Ärger. Denn ausgerechnet für das Gebiet von Gabriels Wahlkreis prüft das Bundeswirtschaftsministerium eine Sondergenehmigung, um die Leitung mit einem Erdkabel verlegen zu lassen. Viele Bürgerinitiativen andernorts hatten sich dies ebenfalls gewünscht, gingen aber leer aus. „Zu teuer“, hieß es meist.

Jetzt melden sich auch Politiker aus unserer Region, die mehr unterirdische Stromleitungen wollen. Der CDU-Abgeordnete Mathias Middelberg (Osnabrück-Stadt) schlägt den Abschnitt Lüstringen–Westerkappeln vor. Auch der Unionsparlamentarier André Berghegger (Osnabrück-Land) wünscht sich mehr Erdverkabelung, nachdem ein nur kurzes Teilstück der Leitung Wehrendorf–-Gütersloh als Erdkabel-Pilotprojekt vorgeschlagen wurde.Als dritte, neue Option wird noch die Leitung Wesel–Utfort genannt.

Am stärksten würde Gabriels Wahlkreis profitieren. In dem 37-seitigen Referentenentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums zum Energieleitungsbau steht auf Seite 12, dass im niedersächsischen Trassenabschnitt Wahle-Lamspringe ein mindestens zehn und höchstens 20 Kilometer langes Teilstück Pilotvorhaben werden könnte. Gerade weil es sich um ein längeres Stück handele, könnten wertvolle Erfahrungen mit der Erdverkabelung gesammelt werden, sagt das Ministerium.

Das weckt Begehrlichkeiten. „Der setzt in seinem Wahlkreis durch, was wir alle haben wollen“, kritisiert zum Beispiel Tjark Bartels (CDU), Landrat in Hameln-Pyrmont, den Niedersachsen Gabriel. Auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)“ vermerkt zu dessen Plänen: „Wie zufällig berührt es dessen Wahlkreis.“

Erdkabel sind um ein Vielfaches teurer als Freileitungen, die von vielen Anwohnern abgelehnt werden. Laut Gesetzentwurf können sich die Zusatzkosten für 30 Kilometer Erdverkabelung auf 200 Millionen Euro belaufen.

Eigentlich hat das Bundeswirtschaftsministerium den Referentenentwurf erarbeitet, um die Akzeptanz für den notwendigen Ausbau von Strom- und Gastransportnetzen in Deutschland weiter zu stärken. Ziel war, doppelt so viele Teststrecken einzuplanen wie bisher. Das Wirtschaftsministerium reagiert auf Kritik gelassen. „Der Entwurf befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung, sodass wir zu Einzelheiten des Entwurfs derzeit noch keine Auskunft geben können“, sagt eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage unserer Redaktion.

Ob dann tatsächlich der Einsatz von Erdkabeln auf den vorgeschlagenen Pilotstrecken erfolgt, entscheidet und beantragt nach ihren Angaben der jeweils zuständige Netzbetreiber, im Fall Lamspringe ist das Tennet. Das Gesetz eröffne hierfür nur die Möglichkeit. Die Entscheidung, ob und wo Erdkabel verlegt würden, treffe die zuständige Landesbehörde im Planungs- und Genehmigungsverfahren.

Nur schleppend kommt der Ausbau der Netze voran, mit deren Hilfe Windkraft von Nord nach Süd transportiert werden soll. Von den 2009 beschlossenen 1877 Kilometer Höchstspannungsleitungen waren laut FAZ bis September 2014 erst 438 Kilometer fertig.


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