Die Liebe lockt sie ins Kriegsgebiet Was junge Frauen beim IS erwartet

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Propaganda des IS: Frauen mit Kalashnikov. Foto: dpaPropaganda des IS: Frauen mit Kalashnikov. Foto: dpa

Osnabrück. Bisher wenig beachtet: Frauen, die sich der Terrormiliz „Islamischer Staat“ anschließen. Etwa zehn Prozent der mehr als 600 Ausreisenden von Deutschland in Richtung Kriegsgebiet sollen Frauen sein. Was bewegt sie dazu? Was erwartet sie? Susanne Schröter vom Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam gibt Einblicke. Von Dirk Fisser und Karsten Frei

Die Professorin sagt, es gebe einen regelrechten Dschihadi-Tourismus in die Krisenregion. „Das sind junge Frauen, die die Idee haben, dass sie dort die ihnen von Gott vorbestimmte Liebe finden. Das ist im höchsten Maße kitschig.“ Glaube spiele dabei keine große Rolle. Bereits nach kurzer Zeit finde eine Heirat statt – „zugeführt werden die Frauen den Männern über einen Vermittler“.

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Die weiblichen IS-Anhänger wüssten, was sie im Irak oder in Syrien erwarte: „Sie erleben dort eine komplette Unterwerfung – und das absolut freiwillig.“ Das sei so im Vorfeld kommuniziert worden. Was vielen jungen Frauen hingegen nicht klar sei: Der Trip ins Kriegsgebiet ist eine Reise ohne Widerkehr.

Schröter warnt unterdessen davor, die Bilder von IS-Kämpferinnen mit Waffen in der Hand für bare Münze zu nehmen. Dabei handele es sich um Propaganda. Immer wieder waren in der Vergangenheit Videos oder Bilder verschleierter Kämpferinnen aufgetaucht. Ihre wahre Rolle laut Professorin: „Die Frauen gehen dorthin und reproduzieren den Islamischen Staat als Hausfrauen und Mütter.“

„Psychisch anfällig“

Islamwissenschaftler Rauf Ceylan von der Universität Osnabrück sagt: „Wer auf so etwas hereinfällt und in die Krisenregionen reist, ist in aller Regel auch vorher schon psychisch anfällig gewesen.“ Er bestätigt die These seiner Wissenschaftskollegin, dass die Terrormiliz Islamischer Staat wenig mit Religion zu tun habe. „Dahinter steckt keine Theologie, sondern Ideologie.“

Und was ist mit den Kindern, die von ihren Eltern mit in das Gebiet des IS gebracht werden? Fred Abrahams von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sagt „Report Mainz“ (Das Erste, 21.45 Uhr) über den Missbrauch von Kindern durch die IS-Terrormiliz: „Wir haben Dutzende von Kindern interviewt, die in diesen Gruppen gekämpft haben. Sie wurden zu militärischem Training gezwungen, religiöser Indoktrination und mussten sich Videos von Enthauptungen anschauen.“

Susanne Schröter aus Frankfurt bestätigt: Die Jungen werden schon sehr früh mit den Männern zusammengeführt und ideologisch gedrillt.

Ein Beleg dafür könnte sich im Internet finden: Vor zwei Wochen war ein Propagandavideo des IS im Internet aufgetaucht. Darin wird der Eindruck erweckt, ein kleiner Junge erschieße zwei vor ihm kniende angebliche russische Spione. Danach sagt er: „Ich möchte euch abschlachten, oh Ungläubige.“ Die Authentizität des Videos ließ sich nicht überprüfen.

Weniger bekannt ist indes, was die Mädchen im Gebiet des IS erwartet – und damit womöglich auch die vierjährige Tochter der Osnabrückerin .


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