Topographie des Terrors Todeslager Auschwitz: Das Symbol des Grauens



Osnabrück. „Der Tod“, so dichtete Paul Celan während des Holocaust in seiner weltberühmten Todesfuge, „ist ein Meister aus Deutschland, (…) er trifft dich mit bleierner Kugel, (…) er schenkt uns ein Grab in der Luft.“ Das Konzentrationslager Auschwitz war das Symbol dieses unvorstellbaren Grauens.

Mindestens 1,1 Millionen Menschen, nach einigen Schätzungen sogar 1,5 Millionen, kamen im Stammlager Auschwitz und den Nebenlagern Birkenau und Monowitz sowie den rund 40 Nebenlagern um: meist Juden, aber auch Sinti und Roma, Polen sowie russische Gefangene. Die Opfer stammten aus ganz Europa. Unzählige Spuren führen nach Auschwitz – auch aus unserer Region.

Da ist zum Beispiel Osnabrück. Von hier stammte eines der bekanntesten Opfer: der Maler Felix Nussbaum . Auch seine Eltern Philipp und Rahel überlebten die Hölle von Auschwitz nicht - ebenso wie viele andere Osnabrücker. Da sind zum Beispiel Heinrich und Sibilla Strauss sowie ihre vier Kinder Margot, Walter, Anna und Hildegard. Und Heinz und Doris Enghers mit ihrem Sohn Freerk. Und Käthe Bernstein mit ihrem Sohn Hans. Und , und, und... (Weiterlesen: Das hat Auschwitz Opfern aus der Region angetan)

Auschwitz, dessen Befreiung durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 nunmehr 70 Jahre zurückliegt, ist zweifellos einer der furchtbarsten Begriffe der deutschen Geschichte. Er steht für Menschenvernichtung in industriellem Maßstab. Eine solche Todesfabrik in dieser unvorstellbaren Dimension hatte es bis dahin nicht gegeben. Das unfassbare Grauen, das sich dort abgespielt hatte, erschloss sich erst im Verlauf der Zeit, auch wenn die sowjetischen Soldaten, die das Lager befreiten, Massengräber sowie Krematorien vorfanden - und noch etwa 7.000 Menschen, viele mehr tot als lebendig, die von den SS-Wachmannschaften im Lager zurückgelassen worden waren.

Die Befreiung der NS-Konzentrations- und Vernichtungslager zog sich über ein knappes Jahr hin. Bevor die gegen Deutschland kämpfenden Alliierten die Lager erreichten, wurden zehntausende Gefangene ermordet, auf Todesmärschen in andere Lager oder in den Tod am Wegesrand geschickt. Eine Übersicht des Internationalen Auschwitz Komitees listet wichtige Termine auf:

23. Juli 1944: Majdanek, Polen, befreit durch sowjetische Truppen

13. Oktober 1944: Riga-Kaiserwald, Lettland, befreit durch sowjetische Truppen.

27. Oktober 1944: Herzogenbusch, Niederlande, befreit durch kanadische Truppen.

23. November 1944: Natzweiler-Struthof, Frankreich, befreit durch US-Truppen.

27. Januar 1945: Auschwitz, Polen, befreit durch sowjetischen Truppen.

13. Februar 1945: Groß-Rosen, Polen, befreit durch sowjetische Truppen.

11. April 1945: Buchenwald, Deutschland, befreit durch US-Truppen.

11. April 1945: Mittelbau-Dora, Deutschland, befreit durch US-Truppen.

15. April 1945: Bergen-Belsen, Deutschland, befreit durch britische Truppen.

22. April 1945: Sachsenhausen, Deutschland, befreit durch sowjetische und polnische Truppen.

23. April 1945: Flossenbürg, Deutschland, befreit durch US-Truppen.

29. April 1945: Dachau, Deutschland, befreit durch US-Truppen.

30. April 1945: Ravensbrück, Deutschland, befreit durch sowjetische Truppen.

5. Mai 1945: Mauthausen, Österreich, befreit durch US-Truppen.

9. Mai 1945: Stutthof, Polen, befreit durch sowjetische Truppen.

Auch diese Liste erfasst aber noch nicht die ganze Dimension des Schreckens, der von den Nationalsozialisten und ihren furchtbaren Helfern in der Justiz, der Polizei, in den Sondereinsatzkommandos und vor allem in der SS ausging. Das System der Konzentrationslager in Europa umfasste in der Zeit zwischen 1936 und 1945 insgesamt 24 Hauptlager und über 1.000 Außenlager. Gerade bei den frühen Konzentrationslagern sind die Grenzen und Übergänge zwischen KZ und anderen Haftstätten aber zum Teil nur schwer zu bestimmen, bilanziert die Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) in einer Veröffentlichung des Bundesarchivs.

Unterschiedliche Lager

Die Experten unterscheiden: Arbeitserziehungslager, jüdische Arbeitsbataillone (vor allem in den südosteuropäischen Ländern), Haftanstalten der geheimen Staatspolizei (Gestapo) und der Ordndungspolizei (Orpo), Haftanstalten und Straflager der Justiz, Konzentrationslager und Außenlager, Polizeihaftlager und Polizeigefängnisse in den besetzten Gebieten, Lager für Sinti und Roma, Zwangsarbeitslager/Zivilarbeitslager (für rund 8,5 Millionen ausländische Zivilarbeiter), Zwangsarbeitslager für Juden. (Weiterlesen: Auch 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz ist die Arbeit der Historiker in der Gedenkstätte Yad Vaschem noch nicht abgeschlossen.)

Auschwitz ragt in dieser Topographie der Diskriminierung, der Verfolgung, des Terrors und der Vernichtung hervor; vor allem aufgrund der hohen Opferzahlen und der industriell betriebenen Tötung von Menschen. Schon an der berühmten Rampe, einem Bahnsteig am Eingang zum Lager Auschwitz, wurde selektiert, wer sofort vergast werden sollte oder noch für kurze Zeit zur Zwangsarbeit taugte. Der spätere Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel beschrieb es so: „Wir sprangen auf den Bahnsteig hinunter (…). Vor uns Flammen, in der Luft ein Geruch von verbranntem Fleisch. Es musste Mitternacht sein. Wir waren da in Birkenau.“


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