Konfliktforscher warnt Mehr Menschen sterben weltweit durch Terror

Tödliche Gewalt im Niger: Zehn Menschen starben zuletzt bei Protesten gegen Mohammed-Karikaturen im Satiremagazin „Charlie Hebdo“. Foto: ReutersTödliche Gewalt im Niger: Zehn Menschen starben zuletzt bei Protesten gegen Mohammed-Karikaturen im Satiremagazin „Charlie Hebdo“. Foto: Reuters

Osnabrück. Der jüngste Anschlag von Paris lässt befürchten, dass sich ein fataler Trend fortsetzt. Denn bereits 2014 war das Jahr des Terrors, sichtbar unter anderem am Vormarsch der IS-Miliz im Irak und in Syrien. Tatsächlich sind einer Statistik zufolge bereits 2013 so viele Menschen durch Terroranschläge gestorben wie niemals zuvor. Experten weisen jedoch darauf hin, dass sich der Terror auf wenige Länder konzentriert.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 beschwor der damalige US-Präsident George W. Bush den „Krieg gegen den Terror“ herauf. Doch mehr als ein Jahrzehnt später zeigt sich, dass dieser beileibe nicht erfolgreich war, im Gegenteil: Wie das amerikanisch-australische Institut für Wirtschaft und Frieden (IEP) in seinem kürzlich veröffentlichten Globalen Terrorismus-Index feststellt, starben allein im Jahr 2013 fast 18000 Menschen durch Terroranschläge – 61 Prozent mehr als 2012. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Todesopfer durch Terrorattacken demnach verfünffacht.

Angesichts der Ereignisse im Jahr 2014 besteht die berechtigte Sorge, dass diese Zahl eher steigen als sinken wird. So ergab bereits eine Studie des International Centre for the Study of Radicalisation (ICSR) und der BBC in London, dass allein im November 2014 nur durch islamistische Terroristen, allen voran den IS, 5042 Menschen bei 664 Anschlägen starben. Das sind im Schnitt fast 170 Tote täglich. Die Hälfte der Opfer waren Zivilisten.

Gestiegene Anschlagsgefahr in Europa

Jüngst warnte die internationale Polizeibehörde Europol vor einer gestiegenen Anschlagsgefahr in Europa aufgrund rückkehrender Syrien-Kämpfer.

Trotz dieser erschreckenden Statistiken hält der Osnabrücker Konfliktforscher Ulrich Schneckener nichts davon, von einer enorm gewachsenen globalen Terrorbedrohung zu sprechen. „Entscheidend ist die Tatsache, dass sich 80 Prozent aller Anschläge in nur fünf Ländern ereignet haben“, sagte er in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Dies spiegelt sich bei der Zahl der Toten wider: Vier von fünf Opfern starben laut Terrorismus-Index durch islamistischen Terror entweder im Irak, in Afghanistan, Pakistan, Nigeria oder Syrien.

80 Prozent der Anschläge in nur fünf Ländern

Der Direktor des Zentrums für Demokratie- und Friedensforschung an der Universität Osnabrück warb dafür, sich die Ursachen für die Terrorgefahr in diesen Ländern genau anzuschauen. „Dort herrschen massive innergesellschaftliche Konflikte, die das Erstarken radikaler und terroristischer Kräfte begünstigen“, so Schneckener. Zwar gebe es gute Gründe dafür, darauf in akuten Fällen auch militärisch zu reagieren. „Auf Dauer lassen sich diese Konflikte aber nur über einen politischen Prozess lösen.“ Je eskalierter, gewaltsamer und brutaler ein Konflikt ausgetragen würde, desto schwieriger sei dies aber, wie es sich etwa in Syrien seit Jahren beobachten ließe. Dennoch betonte er: „Bombardieren – wie im Falle des IS – reicht nicht, sondern es muss auch darum gehen, Spaltungen und Rivalitäten zwischen den Dschihadisten besser zu nutzen sowie Angebote an bestimmte Gruppen und Unterstützer zu machen.“

Den Grundsatz, sich mit militanten Gruppierungen nicht an einen Tisch setzen zu wollen, bezeichnete er als fragwürdig. „Freilich steckt die Weltgemeinschaft da in einem moralischen Dilemma“, gab der Osnabrücker Konfliktforscher zu. Doch auch die Zahlen des IEP bestätigen: Seit den 1960er-Jahren hat in 83 Prozent der Fälle ein politischer Prozess erreicht, dass Terrorgruppen ihr Handeln eingestellt haben. Nur sieben Prozent ließen sich militärisch aufhalten.

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