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13.01.2015, 18:25 Uhr DER KERN DER FREIHEIT

„Lügenpresse“ ist das Unwort des Jahres 2014

Ein Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann


Ein gefährlicher Begriff: Das Wort „Lügenpresse“ in einem Artikel des Berliner „Tagesspiegels“. Foto: dpaEin gefährlicher Begriff: Das Wort „Lügenpresse“ in einem Artikel des Berliner „Tagesspiegels“. Foto: dpa

Osnabrück. Der Begriff stammt aus dem gefährlichen Vokabular des Ungeistes: „Lügenpresse“. Jetzt ist er als Unwort gebrandmarkt. Das hilft der Freiheit. Ein Kommentar.

Was macht ein Wort zum Unwort? Der Ungeist, der sich in ihm ausdrückt. Für kaum eines der bisherigen „Unwörter des Jahres“ gilt das so sehr wie für die Vokabel „Lügenpresse“. Denn der Kampfbegriff aus dem Wortschatz der Nationalsozialisten gilt nicht einfach einem Berufsstand, sondern der Freiheit selbst. Wer von „Lügenpresse“ spricht, der setzt das Ressentiment an die Stelle des Arguments, der weist schlimmstenfalls der Gewalt den bösen Weg.

Mit dem Votum der Darmstädter Jury erfährt die freie Presse zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage entschiedene Rückenstärkung. Schon der Slogan „Je suis Charlie“, mit dem Millionen weltweit auf die Anschläge von Paris reagierten, galt nicht nur den Opfern der islamistischen Attentate, sondern der Freiheit des Wortes und des Bildes selbst – und denen, die sie exponiert ausüben, den Journalisten. Damit ist klar: Pressefreiheit macht den Kern der Freiheit selbst aus. Darauf weist das Unwort-Votum neu hin.

Medienmacher dürfen sich über so viel Unterstützung freuen. Sie sollten allerdings auch neu bedenken, dass Freiheit der Medien zugleich immer ihre Kritik mit einschließt. Wer für Medien schreibt, filmt, fotografiert oder karikiert, sollte furchtlos sein, aber auch präzise und verantwortungsvoll. Nur so hilft er dem freien Diskurs wirklich weiter. Besonders nachdenklich sollten aber jene werden, die mit Wörtern Hass säen, statt Verständnis zu stiften: die Pegida-Marschierer.


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