Zahl der Flüchtlinge erreicht Rekordhoch Migrationsexperte Bade fordert neue EU-Politik

Vor allem syrische Flüchtlinge leiden: Erst zwingt sie der Bürgerkrieg im Land zur Flucht, nun setzt ihnen der harte Winter im Flüchtlingslage im Libanon zu. Foto: dpaVor allem syrische Flüchtlinge leiden: Erst zwingt sie der Bürgerkrieg im Land zur Flucht, nun setzt ihnen der harte Winter im Flüchtlingslage im Libanon zu. Foto: dpa

Osnabrück. Blutige Konflikte treiben immer mehr Menschen in die Flucht. Die Vereinten Nationen (UN) verzeichnen für 2014 die höchste Flüchtlingszahl seit dem Zweiten Weltkrieg. Deutschland ist das begehrteste Ziel der Asylsuchenden. Angesichts des Dauerstreits innerhalb der EU um den Umgang mit den Flüchtlingsströmen fordert Migrationsforscher Bade eine völlig neue Flüchtlingspolitik.

Die Zahl der Vertriebenen weltweit hat Mitte 2014 laut UN-Angaben ein neues Rekordhoch erreicht . Bis Mitte 2014 zählte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR 56,7 Millionen Flüchtlinge sowie Vertriebene innerhalb der eigenen Landesgrenzen. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres hätten 5,5 Millionen Menschen wegen Katastrophen oder Konflikten ihr Zuhause verlassen, hieß es. Die Entwicklung signalisiere einen weiteren Anstieg der Flüchtlingszahl weltweit.

Mehr Asylanträge

Mit der Zahl der Flüchtlinge stieg auch die der Asylanträge – wobei Deutschland wie in früheren Jahren das begehrteste Zielland ist. In der Bundesrepublik baten von Januar bis Ende Juni 67400 Menschen um Asyl – fast 20000 mehr als in den USA (47500) sowie deutlich mehr als doppelt so viele wie in Frankreich, mit 29900 Anträgen auf Platz drei. Seit Jahren ringen die EU-Staaten um den Umgang mit dem Flüchtlingsstrom.

„Asylsystem ist kaputt“

Angesichts der dramatischen Lage übt Migrationsforscher Klaus J. Bade heftige Kritik an der Asylpolitik der EU. In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte er: „Das europäische Asylsystem ist kaputt.“ Nötig sei „eine faire Neuregelung der Belastung der einzelnen Länder durch die Aufnahme von Asylsuchenden“, forderte der renommierte, emeritierte Professor für Neueste Geschichte. Eine Quotenregelung hätte positive Konsequenzen, erläuterte der Migrationsexperte. „Dann könnten Flüchtlinge sich unter Umständen sogar ihr Zielland aussuchen, solange dessen Kontingent oder Quote nicht erfüllt ist.“ Überdies könnten „beruflich qualifizierte und als Einwanderer gesuchte Asylsuchende auch ganz aus den Fesseln des Asylverfahrens befreit werden“, fügte Bade hinzu.

„Humanitäre Verpflichtung“

Voraussetzung dafür sei „eine stärkere Öffnung für legale Zuwanderung nach klaren Kriterien“. Der Migrationsforscher betonte jedoch, die „humanitäre Verpflichtung zur Aufnahme von Flüchtlingen und Asylsuchenden“ dürfe dadurch keinesfalls eingeengt werden.


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