Bülent Ucar über Pegida Osnabrück: Zettel mit islamfeindlichen Parolen ausgelegt


Osnabrück. Über die Pegida-Bewegung - und ihre Folgen für Osnabrück - spricht der Direktor des Instituts für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück, Bülent Ucar, im Interview mit unserer Redaktion.

Nach Einschätzung des Islamwissenschaftlers Bülent Ucar sind Muslime in Deutschland angesichts der anhaltenden Pegida-Proteste stark beunruhigt.

Herr Ucar, wie erleben Sie die Reaktionen unter Muslimen auf die Pegida-Bewegung?

Die Demonstrationen verunsichern, irritieren und verängstigen viele Muslime. Fremdenfeindliche Proteste waren bisher klar der Nazi-Szene zuzuordnen und wurden im öffentlichen Diskurs deutlich verurteilt. Doch die Zusammensetzung der Pegida-Bewegung erweckt den Eindruck, dass dort Teile der Mittelschicht auf die Straße gehen. Deshalb besteht bei Muslimen die Angst, dass sich diese islamfeindliche Einstellung etabliert.

Inwiefern bekommen Sie selbst die Auswirkungen dieser Entwicklung zu spüren?

In unserem Institut wurden Zettel mit islamfeindlichen Parolen ausgelegt oder von außen an die Eingangstür geheftet. Auch sind muslimische Mitarbeiter und Studenten angepöbelt worden. Zudem bekommen wir E-Mails mit Beleidigungen, Anfeindungen und Drohungen. In fünf Fällen hat die Universität inzwischen Strafanzeige erstattet.

Wie sehr beunruhigen Sie das Pegida-Phänomen und seine Folgen?

Diese Entwicklung irritiert und erschreckt mich in der Tat. Noch beunruhigter wäre ich allerdings, wenn ich wüsste, dass die Mehrheit der Deutschen so denkt. Doch das glaube ich nicht. Ich bin überzeugt davon, dass der überwiegende Teil der Bürger für unsere offene, freiheitlich-demokratische Grundordnung einsteht. Das Groteske an Pegida ist, dass diese Bewegung ja angeblich für den Erhalt der Werte dieser Grundordnung auf die Straße geht – diese den Muslimen in Deutschland aber vorenthalten will.

Wie sollte eine angemessene politische Reaktion auf Pegida aussehen?

Politiker müssen sich eindeutig gegen Pegida positionieren. Auf keinen Fall sollten sie Verständnis bekunden für die Befindlichkeiten der Anhänger dieser Bewegung. Sie müssen Pegida als das darstellen, was es ist: fremdenfeindlich. Daher muss diese Bewegung im öffentlichen Diskurs marginalisiert werden. So eine klare Verurteilung würde auch Muslime in Deutschland beruhigen. Aber auch Muslime müssen stärker die positiven Aspekte ihrer Religion, wenn Sie so wollen: den „Mehrwert“ für unsere Gesellschaft, in den Vordergrund stellen. Wir brauchen viel mehr Beispiele für das lächelnde Gesicht des Islam.


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