Die Waffentester der WTD 91 Millimeter zwischen Leben und Tod der Soldaten

Von Christian Schaudwet


Meppen. Der Kampfeinsatz der Bundeswehr in Afghanistan ist offiziell beendet. Doch 850 deutsche Soldaten werden als Ausbilder in dem Kriegsgebiet bleiben und Technik nutzen, die im Emsland erprobt wurde. Denn Rüstungshersteller, die der Bundeswehr Waffen, Fahrzeuge oder Ausrüstung verkaufen wollen, kommen an der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen nicht vorbei. Sie testet alles, was schießt – aber auch alles, was schützt.

Meterhoch schleudern die Druckwellen die tonnenschweren deutschen Panzerfahrzeuge in die Luft. Sprengladungen mit solcher Zerstörungskraft lauern nicht nur in Bewässerungsrohren unter afghanischen Straßen. Sie detonieren auch in vergrabenen Betonröhren auf den Versuchsständen der Bundeswehr im Emsland: Panzerfäuste, Minen oder die in Afghanistan gefürchteten Sprengfallen (Improvised Explosive Devices, IED) aus Kunstdünger-Diesel-Gemisch – wann immer ein neuer oder schon eingesetzter Fahrzeugtyp für das deutsche Militär auf seine Widerstandsfähigkeit gegen solche Waffen getestet wird, geschieht das in der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition 91 bei Meppen.

Im nur spärlich von Bäumen bewachsenen Hochmoorgebiet Tinner Dose/Sprakeler Heide hat das Schießen und Sprengen Tradition. Seit dem Jahre 1877 wird nördlich der Stadt Kriegsgerät deutscher Rüstungsschmieden erprobt. Der Unternehmer Alfried Krupp war auf der Suche nach einem Schießplatz für seine Artilleriegeschütze auf das Ödland bei Meppen gestoßen. Den ersten Schuss gab eine Belagerungskanone aus der Krupp-Gussstahlfabrik in Essen ab. Später ließ das Stahl- und Rüstungsunternehmen all sein Großgerät erproben , das auf den Schlachtfeldern der Weltkriege eins und zwei Tod und Verderben speien sollte. Um das Schussfeld für die immer weiter reichenden Kanonen erweitern zu können, wurden zwischen 1937 und 1942 307 Bauernhöfe umgesiedelt. Auch eine ganze Ortschaft, das Dorf Wahn, musste weichen.

Evolution der Tötungstechnologie

Seit den Tagen des „Krupp’schen Schießplatzes“ spiegelt die Arbeit der Techniker und Ingenieure dort die Evolution der Tötungstechnologie wider – seit jüngerer Zeit aber auch die von Technologien zum Schutz gegen das Töten: Gefechtsfahrzeuge werden heute anders gepanzert als noch zur Zeit des Kalten Krieges. Bis in die Neunzigerjahre härteten Rüstungshersteller sie in Erwartung eines massiven Panzerangriffs vor allem gegen Geschosseinschläge in die Frontpartie. „Unten dagegen waren die blank“, sagt Klaus Hüsing, der Leiter der Abteilung Fahrzeugschutz der WTD91. „Heute werden Fahrzeuge viel stärker gegen Blast-Wirkung von unten durch Minen oder IEDs geschützt.“ Grund sei die veränderte Bedrohungslage vor allem durch Auslandseinsätze wie in Afghanistan.

Pro Fahrzeugtyp geben Hüsings Mitarbeiter in den Testreihen an die 800 Schuss ab und zünden bis zu 15 Sprengladungen. Beim Schützenpanzer „Puma“ der Hersteller Krauss Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall für die Bundeswehr waren es noch mehr.

Der sich nach unten verjüngende Unterboden von Fahrzeugen ist so ein Evolutionsschritt der Rüstungsindustrie unter Beteiligung der Meppener Spezialisten: Die sogenannte V-Form sorgt dafür, dass ein Großteil der Druckwelle einer Mine oder eines IED seitlich nach oben an der Fahrgastzelle abgleitet. Sie verringert somit das, was Hüsing „Globalbewegung“ nennt – das Hochgeschleudertwerden des gesamten Fahrzeugs.

Wandel kam mit ersten Auslandseinsatzerfahrungen

„Das Thema Schutz ist für die Industrie und uns hier in der WTD in den letzten Jahren immer wichtiger geworden“, sagt Christoph Lammers, Leiter der sechsköpfigen Abteilung für Insassenschutz. Begonnen habe dieser Wandel mit den ersten Auslandseinsatzerfahrungen der Bundeswehr im früheren Jugoslawien.

Lammers – umgänglich, humorvoll, mit stattlichen Koteletten und Dreitagebart, wirkt überhaupt nicht wie einer vom Kommiss. Doch der aus Rheine stammende 45-Jährige blickt zurück auf 13 Jahre Dienst als Zeitsoldat, die er als Marineoffizier in Hamburg, Flensburg, Husum und Köln verbrachte. Seit 2003 lebt er wieder in Rheine. „Es war schön, nach so vielen Jahren Wochenendbeziehung wieder nach Hause zu kommen“, sagt er.

Lammers ist stolz auf die Arbeit seiner Abteilung, die für Soldaten draußen im Einsatz den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen kann. In der WTD 91 trage man dazu bei, dass Deutschland beim Insassenschutz ganz vorn mitspiele, sagt er. „Da brauchen wir uns vor den Amerikanern nicht zu verstecken.“

Mit denen arbeitet der studierte Maschinenbauingenieur zusammen. In Zeiten schrumpfender Verteidigungsbudgets im Westen seien viele Rüstungsbeschaffungen und -erprobungen ohne internationale Kooperation gar nicht mehr machbar, sagt Lammers. So übernahmen er und seine Kollegen die Versuchsreihen bei der Nato-weiten Entwicklung eines neuen, mit Messtechnik gespickten Unterschenkels für Test-Dummys. Herkömmliche, für die Autoindustrie entwickelte Versuchspuppen eignen sich nur begrenzt für militärische Szenarien – VW, Daimler und BMW jagen ihre Produkte nicht in die Luft. Vor allem die Unterschenkel herkömmlicher Dummys – sie sind einer Minenexplosion am nächsten – erwiesen sich als ungeeignet.

Gefährlichen Schutzwestentyp identifiziert

Wie die bis zu 400.000 Euro teuren, über 80 drahtlose Messkanäle mit leistungsstarken Rechnern verbundenen Testpuppen während eines simulierten Sprengstoffanschlags durchgeschüttelt werden, können Lammers und seine Kollegen auch auf den Bildern einer Hochgeschwindigkeitskamera im Inneren der Fahrzeuge verfolgen. Oder wie es sich auswirkt, wenn ein Dummy mit Splitterschutzweste bei einem Crashtest in die Sitzgurte geworfen wird. Tests in der WTD 91 zeigten, dass ein Schutzwestentyp gefährlich auf den Kehlkopf des Trägers drückte – der Hersteller reagierte und passte das Design der Weste im Halsbereich an.

„Wir retten hier schon Leben“, sagt Lammers’ Mitarbeiter Dominik Soyka, während er eine rund 80 Kilo schwere, kahlköpfige, mit Bundeswehr-Wüstenuniform bekleidete Puppe auf einen fabrikneuen ergonomischen Fahrzeugsitz hievt. Derzeit testet die Abteilung Sitzmodelle von acht Herstellern – unter anderem eines, bei dem die Sitze an der Fahrzeugdecke aufgehängt werden – diese Methode entkoppelt sie vom Boden, auf den die Druckwelle einer Mine am stärksten wirkt.

Das triste Funktionsgebäude, in dem die ordentlich aufgereihten Dummys duldsam auf ihren nächsten Einsatz warten, ist eines von vielen auf dem mit 200 Quadratkilometern größten mit Messinstrumenten ausgestatteten Schießplatz Europas. Draußen hallt das Knattern eines Maschinengewehrs durch die feuchtklamme Luft. Neben großen Kalibern werden in der WTD91 auch Infanteriewaffen unter anderem des Herstellers Heckler&Koch erprobt. Rote Ampeln auf dem Gelände fordern nicht dazu auf, Vorfahrt zu gewähren, sondern warnen vor Schießbetrieb. „Hier knallt es fast immer irgendwo“, sagt Lammers beiläufig, während er ins Auto steigt, um zu einer Halle mit Klimakammern zu fahren, in denen die Techniker Waffen und Ausrüstung Wüsten- und Arktis-Temperaturen aussetzen.

Gewohnt sind die rund 850 Beschäftigten der Dienststelle auch das Geräusch, das gerade durch eine Nadelbaumreihe am Wegesrand röhrt: ein Dieseltriebwerk, so laut und aggressiv, wie kein Lkw-Motor dröhnen kann. „Etwas Großvolumiges – könnte ein Leopard sein“, sagt Lammers.

Leopard 2 wird in Meppen getestet

Den Klang dieses Kampfpanzertyps erkennen Soldaten vieler Armeen auf der Welt im Schlaf – der Leopard 2 ist der Exportschlager der deutschen Rüstungsindustrie. Fast jede Spezifikation seiner Waffen und Panzerungen, jede Modernisierung, jede Anpassung für einen Kunden wird in Meppen getestet. Vertreter der Leopard-Herstellerfirmen gehen in der Dienststelle ein und aus.

Die Rheinmetall-Gruppe und KMW, ebenso die Airbus-Verteidigungssparte, Diehl Defence, Dynamit Nobel, Thales Deutschland, Autoflug, IBD Deisenroth Engineering, IABG, außerdem ausländische Hersteller – wer der Bundeswehr Rüstungsgüter verkaufen will, kommt an den Prüfern der Dienststelle kaum vorbei. Manchmal gehen sie auch zu ihm: „Firmen werden von uns zertifiziert –wir gehen in die Betriebe und sehen uns an, wie sie arbeiten“, sagt Fahrzeugschutzspezialist Klaus Hüsing. Die Dienststelle erprobt teils auch unmittelbar im Auftrag der Rüstungsunternehmen. Um ihr näher zu sein, haben manche in Meppen eigene Büros eröffnet.

Das Jahresbudget der WTD 91 aus öffentlichen Mitteln liegt nach Auskunft ihrer übergeordneten Behörde, des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), bei etwa 30 Millionen Euro. Zu den nicht eingerechneten Personalkosten und Aufwendungen für die Bewirtschaftung des Areals gibt das BAAINBw keine Auskunft. Auch, wie viel die Dienststelle für direkte Aufträge von Rüstungsunternehmen bekommt, verrät die Koblenzer Behörde mit Verweis auf Verschwiegenheitsverpflichtungen nicht. Auch für Hersteller rein ziviler Produkte hat die WTD schon Gutachten erstellt.

Mit dem, was die Rüstungsindustrie liefert, sind Hüsing und seine Kollegen nicht immer zufrieden. „Dann schicken wir die Hersteller nach Hause.“ Der Schutz von Fahrzeugen, so Hüsing, werde wegen des Wunschs, das Gewicht zu verringern, „auf Kante genäht“. Der Trend gehe zu leichteren Materialien. Diese böten aber nicht immer dieselbe Sicherheit wie schwere Panzerungen. „Wir wollen, dass die Fahrzeuge Nehmerqualitäten haben“, sagt Hüsing. Die in aktuellen Kriegen eingesetzten IEDs vielerlei Bauart erschweren die Einschätzung, was eine Panzerung abkönnen muss. Bewaffnete Gruppen wie in Afghanistan, im Irak oder Syrien halten sich an keine Kaliberklassen – niemand weiß, wie stark die nächste Bombe ist, die sie unter einer Straße verstecken. Die Meppener Prüfer verlangen im Zweifel deshalb lieber etwas mehr Schutz.

Prüfungsergebnisse in Zweifel gezogen

„Wenn wir etwas ablehnen, sind die Hersteller natürlich nicht erfreut“, sagt Hüsing. Dann passiere es schon mal, dass Unternehmen nachträglich Prüfungsergebnisse in Zweifel zögen, um eine positivere Beurteilung zu erreichen.

2013 und 2014 beauftragte das BAAINBw das amerikanisch-schweizerische Konsortium General Dynamics European Land Systems mit dem Bau von 176 „Eagle 5“-Panzerwagen für rund 109 Millionen Euro. KMW und Rheinmetall waren mit ihrem Modell AMPV angetreten, hatten aber das Nachsehen. Ihr Angebot war Medienberichten zufolge deutlich teurer. Bei den deutschen Herstellern und ihnen freundlich gesonnenen Politikern soll der Ärger groß gewesen sein. Vermutlich auch über die Meppener Prüfer – in die Entscheidung gegen das AMPV flossen die Testberichte der WTD 91 ein. Die deutschen Bewerber hatten schon in einer früheren Ausschreibung den Kürzeren gezogen – damals hatte die Bundeswehr 450 Fahrzeuge des Vorgängertyps „Eagle 4“ angeschafft.

Wie schnell die Arbeit der Waffenprüfer zum Politikum werden kann, zeigt der Fall des Standardgewehrs der Bundeswehr, des G36 . Möglicherweise hat das Bundesverteidigungsministerium selbst versucht, beschönigend auf die Berichterstattung der WTD einzuwirken.

Umtost von politischer Debatte ist auch das BAAINBw, das für die Rüstungsbeschaffung der Bundeswehr zuständig ist: Bürokratie, Ineffizienz, Schneckentempo, zu vage formulierte Verträge, nicht festgeschriebene Zielvorgaben, so lauten die Vorwürfe. Für den rüstungskritischen Leiter des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit, Otfried Nassauer, ist das BAAINBw mit seinen bundesweit über 9000 Mitarbeitern „ein Moloch mit einem ganz erheblichen Eigenleben“ (Rhein-Zeitung). Neben der Zentrale in Koblenz und der WTD 91 gehören fünf weitere Erprobungszentren sowie sonstige Dienststellen dazu.

Verträge nicht ausreichend geprüft

Prominent gewürdigt wird das BAAINBw in der 1500 Seiten starken Risikoanalyse der Beratungsunternehmen KPMG, P3 Group und Taylor Wessing. Sie durchleuchteten im Auftrag von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen das Rüstungsmanagement der Bundeswehr, sahen sich die neun derzeit wichtigsten Rüstungsprojekte genauer an und übten detaillierte Kritik an der Koblenzer Behörde. So seien etwa Verträge für die langwierige Beschaffung des Schützenpanzers Puma vom BAAINBw nicht ausreichend geprüft worden. Das Personalmanagement für Projektteams sehe keine Vertretungsregelungen im Urlaubs- oder Krankheitsfall vor. Die Planungen für den „Puma“ seien insgesamt zu optimistisch gewesen.

Seit November befindet sich das Verfahren auf Stufe zwei: Auf Grundlage des Gutachtens nahm in Berlin eine „Projektgruppe Rüstungsmanagement“ unter Leitung einer Staatssekretärin ihre Arbeit auf. Sie soll sich mit dem Vertrags- und Lieferantenmanagement, dem Risikomanagement, dem Berichtswesen und der Organisationsentwicklung der Rüstungsbehörde befassen. Das BAAINBw gibt keine Auskunft darüber, ob es mit Konsequenzen rechnet, und verweist auf bereits umgesetzte Reformen in der Vergangenheit.

WTD 91 stark geschrumpft

Was bedeutet das für die WTD 91? Sie ist in den vergangenen Jahren stark geschrumpft. Die Meppener wissen noch nicht, ob weitere Reformen infolge des Gutachtens sie unmittelbar betreffen werden. „Natürlich ist das hier in der Dienststelle ein Gesprächsthema“, sagt Insassenschutz-Leiter Christoph Lammers, „aber bisher zeichnen sich für uns keine Veränderungen ab.“ Lammers blickt pragmatisch in die Zukunft. Die Dienststelle habe alle Hände voll zu tun, aber: „Unterm Strich geht es um die Frage an die Politik: Was sollen wir noch können?“

So viel wie möglich, dürfte die Antwort jener lauten, die am eigenen Leibe erfahren haben, ob ein von der WTD für gut befundener Fahrzeugtyp der Druckwelle eines IED standgehalten hat.

Vor Jens Nawitzkis Arbeitsstätte stehen ein „Fuchs“, zwei „Marder“, ein „Wolf“ und anderes gepanzertes Getier der Bundeswehr. Der kleine Fuhrpark bietet einen desolaten Anblick. Den Kettenfahrzeugen fehlen die Ketten, die vestärkte Motorhaube des „Wolf“-Geländewagens ragt verbogen in die Höhe. Die beiden Exemplare in Nawitzkis Garage sehen kaum besser aus. Deutlich zu erkennen ist, wo die Explosionen Teile am Heck abgerissen haben oder Schäden im Türbereich verursacht haben. Getrockneter Schlamm vom Hindukusch haftet noch am Metall.

Nawitzkis 20-köpfiges Team bekommt jedes geschützte Bundeswehr-Vehikel ins Haus, das Taliban-Attentäter in Afghanistan zerstören oder stark beschädigen. „Es ist ein Evolutionsprozess – wir lernen ständig dazu“, sagt der Leiter der Abteilung Einsatzanalyse. Ihre Erkenntnisse geben Nawitzki und seine Kollegen über das BAAINBw an die Rüstungshersteller weiter. Das führte unter anderem dazu, dass bei sämtlichen Transportwagen vom Typ „Dingo“ die für zu schwach befundenen Türhalterungen umgebaut wurden.

Experten bitten um Erfahrungsberichte

Meist hält die Panzerung stand: „Die Fahrzeuge sind sehr gut geschützt – in der überwiegenden Mehrzahl der Vorfälle gab es bei den Insassen glücklicherweise keine schweren Verletzungen.“ Aber Nawitzkis Team hat auch jenen „Fuchs“ untersucht, der am 29. Juni 2009 während eines Gefechts bei Kundus einen Abhang hinabrutschte und sich überschlug. Drei Soldaten kamen darin ums Leben.

Wenn Betroffene aus dem Einsatz zurückkehren, suchen die Experten sie auf, um ihre Erfahrungsberichte zu hören, denn die können wichtige Erkenntnisse liefern. Manchmal läuft es umgekehrt. Dann kommen Soldaten nach einem Anschlag nach Meppen. Begleitet von Psychologen, betrachten sie in Nawitzkis Garage noch einmal, was von ihrem Fahrzeug übrig ist. Im Idealfall hilft die Konfrontation bei der Traumabewältigung.


Schießen und Sprengen seit 1877 –Die Geschichte der WTD 91

1871: Der Stahlunternehmer Alfried Krupp plant die Einrichtung eines Testgeländes für schwere Geschütze.

1877: Vertragsunterzeichnung mit der Stadt Meppen, erster Schuss aus einer 12-Zentimeter-Belagerungskanone.

1892: Erster Besuch von Kaiser Wilhelm II., Vorführung eines Zwillingsgeschützturms für Schiffe der Brandenburg-Klasse.

1909: Versuche mit überhöht aufgestellten Geschütztürmen führen zu einer grundlegenden Änderung in der Kriegsschiff-Konstruktion. Fertigstellung des 24 Meter hohen Wasserturms.

1914: Bei einem Versuch mit einer 35,5-cm-Kanone fliegt ein Geschoss weiter als die errechneten 38 Kilometer und schlägt im Westermoor, Saterland, ein.

1919: Der Platz wird unter die Kontrolle der Interalliierten Kontrollkommission gestellt. Die für den Schießbetrieb notwendigen Anlagen werden abgebaut, die Flächen teils zu Acker umgewandelt.

1937: Das Gelände wird auf 50 mal 6 Kilometer erweitert. 307 Höfe werden bis 1942 umgesiedelt, auch das komplette Dorf Wahn.

1938: Adolf Hitler besucht den Meppener Schießplatz.

1945: Besetzung des Platzes durch kanadische Soldaten. Später wird unter polnischer Leitung ein Sammellager für verhaftete Nationalsozialisten eingerichtet. Bis 1950 Demontage der Schießplatzanlagen.

1949: Jansen & Co. beginnt in einem Schießplatzgebäude mit der Fabrikation von Regenmänteln.

1955: Teile des Geländes werden als Flugzeugschießplatz von der Royal Air Force genutzt.

1957: Übernahme durch die Bundesrepublik Deutschland und Einrichtung der „Erprobungsstelle für Waffen und Munition“.

1965: Fertigstellung der ersten neuen Hochbauten: Wasserwerk, Heizungsbau und Wirtschaftsgebäude. 1463 Mitarbeiter.

1987: Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl werden Waggons mit radioaktiv belastetem Molkepulver auf Gleisen auf dem WTD-Gelände zwischengelagert.

1991: Ein Umweltsimulationszentrum, in dem Einsatzbedingungen unter Hitze und Kälte geschaffen werden können, geht vollständig in Betrieb.

2012: Reduzierung auf 980 Dienstposten.

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