AfD kritisiert Kanzlerin Jeder Dritte stimmt Pegida-Demos zu

Von dpa

Knapp ein Drittel der Bundesbürger hält Demonstrationen der Anti-Islam-Bewegung Pegida einer Umfrage zufolge für richtig. Foto: dpaKnapp ein Drittel der Bundesbürger hält Demonstrationen der Anti-Islam-Bewegung Pegida einer Umfrage zufolge für richtig. Foto: dpa

Berlin. Die Diskussion um die Demonstrationen der Anti-Islam-Bewegung Pegida und die Aufnahme von Flüchtlingen waren auch zum Jahreswechsel die beherrschenden Themen. Knapp ein Drittel der Bundesbürger hält diese Demonstrationen einer Umfrage zufolge für richtig.

In einer Forsa-Erhebung im Auftrag des Magazins „Stern“ vertraten 29 Prozent die Meinung, der Islam habe auf das Leben in Deutschland so großen Einfluss, dass solche Protestmärsche gerechtfertigt seien. Besonders groß war die Unterstützung für diese These bei den Anhängern der rechtskonservativen Alternative für Deutschland (AfD): 71 Prozent – fast drei Viertel – stimmten zu. 13 Prozent aller Befragten würden sich gegebenenfalls an Protestmärschen der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) beteiligen, wenn sie in der Nähe ihres Wohnorts stattfänden.

AfD liegt Pegida am nächsten

Die größte Bereitschaft, an solchen Demonstrationen teilzunehmen, gibt es auch hier laut Umfrage unter den Anhängern der AfD (45 Prozent). Von den Nichtwählern, die der Politik eher skeptisch gegenüberstehen, würden nur 13 Prozent mitmarschieren – was dem Durchschnitt aller Bundesbürger entspricht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erntete derweil für ihre scharfe Kritik an Pegida in der Neujahrsansprache Lob selbst von der Opposition. Grüne und Linke begrüßten die Äußerungen der CDU-Vorsitzenden. Zugleich wiesen sie darauf hin, dass die Ankündigung der bayerischen Schwesterpartei CSU, Abschiebungen zu beschleunigen, nicht dazu passe.

„Nicht abstempeln“

Die AfD hingegen stellte sich schützend vor die Pegida-Demonstranten. „Sie verurteilt Menschen von oben herab, die sie gar nicht kennt“, sagte der Fraktionschef im Brandenburger Landtag, Alexander Gauland, an Merkels Adresse. Ihre Kritik an den Kundgebungen der Pegida werde der Protestbewegung noch mehr Zulauf bescheren. AfD-Chef Bernd Lucke sprang seinem Parteivize bei: Merkel solle den Menschen zuhören, statt sie als fremdenfeindlich abzustempeln, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Merkel hatte die Deutschen in ihrer Ansprache davor gewarnt, den Slogans der offensichtlich von Vorurteilen und Hass getriebenen Organisatoren der Anti-Islam-Proteste auf den Leim zu gehen. Sie sagte: „Heute rufen manche montags wieder ,Wir sind das Volk‘. Aber tatsächlich meinen sie: Ihr gehört nicht dazu – wegen eurer Hautfarbe oder eurer Religion.“ Den Namen „Pegida“ nannte Merkel nicht.

Dresden als Ursprung

In Deutschland sind in den vergangenen Jahren immer mehr Asylbewerber angekommen. 2014 rechneten die Behörden mit 200000. Ihre Zahl soll 2015 weiter steigen. In mehreren Städten richten sich seit Wochen Demonstrationen gegen Migranten, den größten Zulauf hat die Pegida-Bewegung in Dresden. Deutschland ist nach Einschätzung des Städtetags in der Lage, eine wachsende Zahl von Zuwanderern zu integrieren. „Wir können das, weil wir die Gastarbeiter in Millionenzahl integriert haben und auch die Spätaussiedler aus den Sowjetrepubliken in Millionenzahl integriert haben“, sagte Verbandspräsident Ulrich Maly (SPD). „Aber natürlich braucht es dafür menschliche Ressourcen, Geld und - angesichts von Pegida - auch moralische Ressourcen, das heißt eine gewisse Aufnahmebereitschaft der Gesellschaft.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN