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31.12.2014, 10:00 Uhr MERKELS NEUJAHRSANSPRACHE

Zum neuen Jahr: Die Weltverbesserung droht

Ein Kommentar von Burkhard Ewert


Angela Merkels Neujahrsansprache: Die Kanzlerin rügte Russland und mahnte die Deutschen. Foto: dpaAngela Merkels Neujahrsansprache: Die Kanzlerin rügte Russland und mahnte die Deutschen. Foto: dpa

Osnabrück. Alles ändert sich? Mag sein. Aber so war es schon immer. Zum Jahreswechsel rückt es in den Blick. Angst haben sollte davor keiner – wohl aber vor denen, die es allzu gut meinen.

Globalisierung. Digitalisierung. Islamisierung. Die schwelende Euro-Krise. Der so plötzlich eskalierte Konflikt mit Russland. Wer dies sieht, mag glauben, dass die Welt sich dramatisch verändert und die Gegenwart bedroht ist. Aber das stimmt so nicht. Erstens nahm bisher noch jede Generation einen solchen Wandel wahr, auf ihre Art. Zweitens bedroht er vorrangig nur den, der sich ihm verschließt.

Und ob die Veränderungen gegenwärtig wirklich so erheblich sind? Die Menschen, die das Land heute prägen, haben den Fall des Eisernen Vorhangs erlebt. Die davor sahen den Zweiten Weltkrieg und kannten ein schuldbeladenes Deutschland in Armut. Heute geht für manche ihre heile Welt bereits unter, wenn anderen Kulturen Respekt entgegengebracht wird. Aktuell gehören dazu Russland ebenso wie der Islam. In beiden Fällen wäre Toleranz ein Zeichen von Stärke, nicht Schwäche, eines von Zuversicht und vom Willen zur Gestaltung.

Bundestagspräsident Lammert hat recht: Die Deutschen sollten nicht jammern. Wenn es nicht die Flüchtlinge sind, fürchten sie die Raucher, den Feinstaub, den Terrorismus, den Klimawandel. Sie sorgen sich wegen der Börsen und der Tierhaltung, suchen im Liberalismus das Böse oder schränken Grundrechte ein im Kampf gegen das Kopftuch.

Da kann einem wirklich angst und bange werden. Allerdings vor weltverbesserlichem Furor, nicht vor tatsächlicher Gefahr.


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