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29.12.2014, 18:13 Uhr IST ZUWANDERUNG EIN VERLUSTGESCHÄFT?

Hans-Werner Sinns nüchterne Rechnung zur Migration

Ein Kommentar von Christof Haverkamp


Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, hält Zuwanderung für ein Verlustgeschäft. Foto: Hannibal HanschkeHans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, hält Zuwanderung für ein Verlustgeschäft. Foto: Hannibal Hanschke

Osnabrück. Nach Ansicht des Wirtschaftsforschers Hans-Werner Sinn ist Einwanderung nach Deutschland ein großes Verlustgeschäft. Doch die wichtigste Frage ist eine ganz andere.

Ist die Einwanderung nach Deutschland derzeit ein großes Verlustgeschäft, wie der Ökonom Hans-Werner Sinn behauptet? Zwar ist es problematisch, Menschen allein auf ihren geldwerten Vor- oder Nachteil zu reduzieren, gerade bei Flüchtlingen aus Krisengebieten. Doch nachdem die Bertelsmann-Stiftung jüngst darlegte, der deutsche Sozialstaat profitiere enorm von Zuwanderung, darf eine volkswirtschaftliche Gegenrechnung erlaubt sein.

Sie fällt nüchterner aus. Die Argumentation des Ökonomen Sinn ist schlüssig und seine Forderung nach einer ideologiefreien Debatte über Zuwanderung berechtigt. Falls seine Berechnungen stimmen, erhalten Migranten im Durchschnitt mehr Transferleistungen, als sie an Steuern und Sozialbeiträgen zahlen. Das mag zwar sein, doch unabhängig davon ist die wichtigste Zukunftsfrage eine ganz andere: Wie gehen wir mit den Problemen um, die der Bevölkerungsschwund mit sich bringen wird? Wer etwa füllt die Rentenkassen, wer übernimmt die Pflege? Einen Beitrag gegen die demografische Krise muss die Familienpolitik leisten, mit größeren finanziellen Anreizen, um die Entscheidung für Kinder zu befördern.

Doch das allein wird nicht reichen. Deutschland kommt überhaupt nicht daran vorbei, verstärkt Migranten einwandern zu lassen, selbst wenn das mit Kosten verbunden ist. Wichtig wird es sein, auf eine gute berufliche wie sprachliche Qualifikation zu achten – bei denen, die kommen wollen, ebenso wie bei denen, die bereits eingewandert sind. Bildung, Bildung, Bildung lautet daher eine Antwort. Und: fördern und fordern.


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