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26.12.2014, 17:56 Uhr KIRCHEN MAHNEN ZU SOLIDARITÄT

Wie reagieren auf Pegida? Angst ist ein schlechter Ratgeber

Ein Kommentar von Uwe Westdörp


„Pegida“ Demonstration auf dem Theaterplatz in Dresden. Foto: imago„Pegida“ Demonstration auf dem Theaterplatz in Dresden. Foto: imago

Osnabrück. Die Proteste der islamfeindlichen „Pegida“-Bewegung lassen Politik und Kirchen nicht unberührt. .Flüchtlinge sollen willkommen geheißen, die Ängste der Bürger aber nicht vergessen werden. Doch Vorsicht: Angst ist ein schlechter Ratgeber.

Flüchtlinge haben keine besonders starke Lobby in der reichen Welt. Umso wichtiger war es, dass die Kirchen in ihren Weihnachtsbotschaften nachdrücklich auf die Opfer von Gewalt und Elend aufmerksam gemacht und zu Solidarität aufgerufen haben. Sie standen damit in wohltuendem Gegensatz zu manchen fremdenfeindlich gefärbten Diskussionen der letzten Wochen, in denen viel von eigenen Ängsten die Rede war, jedoch wenig von der oftmals viel größeren Not anderer.

Angst ist aber bekanntlich ein schlechter Ratgeber. Sie führt zu überzogenen Reaktionen und Fehleinschätzungen. Jedem Demonstranten, der bei den Pegida-Märschen mitmacht, sei zugestanden, dass er sich Sorgen um seine Zukunft macht. Doch muss zugleich immer wieder die Frage gestellt werden, wie berechtigt diese Sorgen sind. Dass eine Islamisierung des Abendlandes droht, mag subjektiv so empfunden werden; objektiv gibt es dafür keine überzeugenden Argumente.

Fakt ist indessen, dass es aktuell so viele Flüchtlinge, Asylsuchende und Vertriebene gibt wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Nach Berechnung der Vereinten Nationen sind es weltweit mehr als 50 Millionen. Syrien, Irak, Afghanistan, Somalia, Sudan, Libyen: Die Liste der Staaten, in denen Menschen um Leib und Leben fürchten müssen, ist lang. Wie diesen Flüchtlingen besser geholfen werden kann: Das ist eine Frage, die viel stärker diskutiert werden muss – nicht nur zu Weihnachten.


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