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26.12.2014, 17:31 Uhr PROTESTE GEGEN NICARAGUAKANAL

Chinas Kanal schwächt die USA in Mittelamerika

Ein Kommentar von Michael Clasen


Bei Zusammenstößen mit der Polizei wurden diese beiden Demonstranten verletzt, die gegen den Bau des Nicaraguakanals protestierten. Foto: ReutersBei Zusammenstößen mit der Polizei wurden diese beiden Demonstranten verletzt, die gegen den Bau des Nicaraguakanals protestierten. Foto: Reuters

Die Proteste gegen den Bau des Nicaraguakanals nehmen zu. Bauern befürchten Enteignungen. Die linksgerichtete Regierung sieht in dem umstrittenen Megaprojekt hingegen einen Weg aus der Armut – zu Recht.

Die Proteste gegen den Bau des Nicaraguakanals nehmen zu . Sie sind aber regional begrenzt und weit davon entfernt, die Realisierung des Jahrhundertbauwerks zu gefährden. Die große Mehrheit der Bevölkerung und Präsident Daniel Ortega stehen hinter dem Mammutprojekt, das dem Panamakanal Konkurrenz machen soll.

Das wohl ärmste Land Mittelamerikas erhofft sich von der gigantischen Schiffspassage neue Einnahmequellen und Jobs. Und wenn die Bedenken von Umweltschützern ernst genommen und die Schäden am Ökosystem in Grenzen gehalten werden, könnte sich der Kanal für Nicaragua tatsächlich als großer Gewinn erweisen.

Übrigens: Die Idee zu einer Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik unter Einbeziehung des Nicaragua-Sees kam bereits im 16. Jahrhundert auf. Die damalige Weltmacht Spanien verwarf sie jedoch. Im 19. und 20. Jahrhundert meldeten die aufstrebenden USA Interesse an. Am Ende bevorzugte Washington jedoch den Bau des Panamakanals. Nun schreitet die neue Weltmacht des 21. Jahrhunderts zur Tat: China.

Offiziell stellt ein Konzern aus Hongkong die Milliarden-Mittel zur Verfügung. Inoffiziell ist jedoch klar, dass Pekings Machthaber die Fäden ziehen. Chinas neuer Kanal offenbart daher auch, wie rasant die USA in der strategisch wichtigen Region an Einfluss verlieren.


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