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23.12.2014, 20:33 Uhr PROTESTBEWEGUNG

Die Zahlen sprechen gegen die „Pegida“-Parolen

Ein Kommentar von Christian Schaudwet


Ankunft in Osnabrück: Flüchtlinge wie diese kurdische Familie können helfen, die Folgen der demografischen Entwicklung zu mildern, die die Wirtschaft und die Finanzierung des deutschen Rentensystems bedroht. Foto: Gert WestdörpAnkunft in Osnabrück: Flüchtlinge wie diese kurdische Familie können helfen, die Folgen der demografischen Entwicklung zu mildern, die die Wirtschaft und die Finanzierung des deutschen Rentensystems bedroht. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ geben vor, das Volk zu repräsentieren. Ein Zuwanderungsstopp, wie von ihnen gefordert, hätte für dieses Volk verheerende Folgen.

Sie rufen „Wir sind das Volk!“. An der jüngsten Dresdner „Pegida“-Demonstration gegen den Islam und die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen nahmen 17500 Menschen teil. Ja, ihre Ängste haben Gewicht, und die Gesellschaft muss sich dringend mit deren Ursachen auseinandersetzen.

Aber sind diese Protestierenden das Volk? Mit welchem Recht erklären sich ihre Wortführer zu Bannerträgern auch jener vielen Millionen, die das „Pegida“-Weltbild für grundfalsch und gefährlich halten?

Und wenn es den Demonstranten wirklich um das Wohl des Volkes geht – haben sie sich schon einmal genauer mit dessen Zukunft beschäftigt? Was bedeutet es für Deutschlands Wirtschaft und Rentensystem, wenn seine Bevölkerung bis zum Jahr 2030 von 81,2 Millionen auf 79,2 Millionen Menschen schrumpft? Wenn zugleich der Anteil von Rentenempfängern steigt? Minus zwei Millionen Menschen – diesen Rückgang prognostiziert das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

In der Region um Dresden dürfte die erwerbsfähige Bevölkerung übrigens schneller schwinden als dort, wo „Pegida“ kaum Widerhall findet. Zum Vergleich: Landkreis Meißen: minus 16 Prozent, Landkreis Vechta: plus zehn Prozent.

In den nächsten Jahren werden viele der heutigen Flüchtlinge aus islamischen Ländern arbeiten und Steuern zahlen. „Pegida“-Anhänger in dünn besiedelten, vergreisenden Gebieten sollten erwägen, ihre Einstellung zu Zuwanderern zu ändern.

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