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22.12.2014, 20:43 Uhr

Kommunion für Wiederverheiratete: Nur für den Wunschzettel?

Ein Kommentar von Dr. Berthold Hamelmann


Die katholische Kirche gewährt Wiederverheirateten bislang nicht die Teilnahme an der Kommunion. Foto: dpaDie katholische Kirche gewährt Wiederverheirateten bislang nicht die Teilnahme an der Kommunion. Foto: dpa

Osnabrück. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hat sich in der strittigen Frage der wiederverheirateten Geschiedenen für einen vorsichtigen Reformkurs entschieden. Doch ist das nur ein frommer Wunsch?

Kirche ist keine Parallelgesellschaft. Sie lebt mitten in dieser Gesellschaft, mitten in dieser Welt und mitten in dieser Zeit.

Die Sätze stammen von Christian Wulff. Der Ex-Bundespräsident, selbst geschieden, sprach gegenüber Papst Benedikt XVI. bei dessen Deutschlandbesuch 2011 die Not von Katholiken an, die vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen sind.

Wenn nun die Deutsche Bischofskonferenz unter bestimmten Bedingungen die Kommunion für Wiederverheiratete als Option ansieht, bedeutet das sehr viel. Die Amtskirche in Deutschland bewegt sich. Der Hinweis, dass ein entsprechendes Papier „mit großer Mehrheit“ verabschiedet wurde, weist indes auf den Widerstand konservativer Bischöfe hin. Es gibt keine einhellige Meinung bei diesem sehr (west-) deutschen Thema, das Katholiken in anderen Teilen der Welt anders sehen.

Ein pragmatischer Kurs, der der veränderten Lebenswirklichkeit Rechnung trägt, steht im Konflikt mit zentralen Glaubensfragen.

Eine generelle Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten steht für die Bischofskonferenz nicht zur Debatte. Der Reformvorstoß mutet wie ein Wunschzetteleintrag an. Adressiert an die Weltbischofssynode.

Die kann im Herbst 2015 Papst Franziskus entsprechende Vorschläge unterbreiten. Eine Realisierung dieser Absicht käme einer Sensation gleich.

Also doch nur etwas für den Wunschzettel?


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