GIZ-Chefin im Interview Gönner nennt EEG Exportschlager

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Vorstandssprecherin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit: Tanja Gönner. Foto: dpaVorstandssprecherin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit: Tanja Gönner. Foto: dpa

Osnabrück. Über entwicklungspolitische Herausforderungen, Deutschlands Rolle in der Welt und die schwierige Arbeit in Konfliktregionen spricht die Vorstandssprecherin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Tanja Gönner, im Interview.

Frau Gönner, verschiedene Bundespolitiker haben zuletzt wiederholt eine aktivere deutsche Außenpolitik und mehr Engagement in der Welt gefordert. Wie stehen Sie dazu?

Auch unsere Partner in aller Welt melden uns zurück, dass sie sich das wünschen. Aus Sicht des Auslands nutzt Deutschland seine Gestaltungskraft in den internationalen Beziehungen zu wenig. Dabei haben wir eine Menge anzubieten: Mittelstand und Industrie als Job- und Innovationsmotor; das duale Ausbildungssystem als Qualitätsmerkmal der Exportmarke „Made in Germany“; und als einzige große Industrienation langjährige Erfahrungen beim Wandel hin zu einer „Grünen Wirtschaft“. Auch wenn es viele angesichts der Diskussion in Deutschland überraschen mag: Gerade das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz ist ein echter Exportschlager und wurde schon von vielen Ländern, jeweils in angepasster Form, übernommen – auch durch die Beratung der GIZ. So fördert heute Brasilien Solarenergie durch ein Einspeisegesetz.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die internationale Klimapolitik?

Die Wirtschaft wächst – weltweit im vergangenen Jahr um drei Prozent. Und damit wächst auch der Bedarf an Energie. Dies macht sich insbesondere in Schwellenländern wie Indien und China bemerkbar. Sie brauchen immer mehr Energie. Auf die Frage, wie dieser Energiehunger gestillt werden kann, gibt Deutschland die passende Antwort: nachhaltig. Wir haben in Deutschland in den letzten 30 Jahren große Fortschritte im nachhaltigen Ressourcenschutz gemacht: Kreislauf- und Abfallwirtschaft, Gewässer-, Wald- und Klimaschutz, nun die Energiewende. Unsere Erfahrungen machen vor allem dann einen großen Unterschied, wenn wir sie weltweit verankern können. Da sehen wir als GIZ eine unserer Stärken: Allein durch die von uns unterstützten Klimaschutzmaßnahmen in Indien wurden seit 2005 über 163 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart. Das ist mehr als der jährliche Treibhausgas-Ausstoß des gesamten Verkehrs in Deutschland.

Wenn von Deutschlands neuer Rolle in der Welt die Rede ist, dreht sich die Diskussion meist um mehr militärisches Engagement. Inwiefern befürchten Sie, dass das Thema Entwicklungszusammenarbeit eher belächelt und an den Rand gedrängt werden könnte?

Heute lassen sich Sicherheit und Entwicklung gar nicht mehr getrennt denken. Die Formel heißt: keine Entwicklung ohne Sicherheit – keine Sicherheit ohne Entwicklung. Insofern wird unser Engagement immer häufiger nachgefragt. Nehmen wir Mali: Hier bildet die Bundeswehr die malische Armee aus, während die GIZ das Land dabei unterstützt, dass die Verwaltung bürgernäher wird und die Bauern mehr Nahrung für ihre Landsleute anbauen und ein höheres Einkommen erzielen können. Beides trägt dazu bei, das Land zu stabilisieren.

In immer mehr Krisenländern brechen staatliche Strukturen zusammen, oft aufgrund von Terror, der sich dann ausbreitet. Auf welche Weise erschwert dies Ihre Arbeit?

Die Sicherheitslage ist in vielen Ländern, in denen wir arbeiten, herausfordernd, zum Beispiel in Afghanistan. Der beste Schutz für uns besteht darin, dass wir bei unserer Arbeit umsichtig und kulturell sensibel vorgehen. Die afghanische Bevölkerung erkennt so, dass wir für sie und mit ihr arbeiten – nicht gegen sie. Millionen mehr Kinder in den Schulen, eine verbesserte Gesundheitsversorgung, der Zugang zu Strom und Trinkwasser, all das sind Beispiele, die natürlich auch von der afghanischen Bevölkerung anerkannt werden. Außerdem haben wir im Auftrag der Bundesregierung ein umfassendes Sicherheitskonzept für unsere Mitarbeiter entwickelt. Am wichtigsten aber ist, dass nur solche Projekte durchgeführt werden, die von der afghanischen Bevölkerung gewollt und akzeptiert sind.

Wäre die GIZ für mehr Engagement ausreichend gerüstet, personell wie finanziell? Wo sehen Sie Nachbesserungsbedarf?

Die GIZ ist mehr denn je ein „Global Player“ der internationalen Zusammenarbeit. Als Unternehmen verstärken wir unser Engagement in Industrie- und Schwellenländern und ergänzen damit unsere Arbeit in Entwicklungsländern. Wir sind mit eigener Präsenz in mehr als 130 Ländern vertreten und werden als Dienstleister der Bundesregierung vielfach von den unterschiedlichen Bundesministerien beauftragt. Das und die große Zahl anderer Auftraggeber – insgesamt sind es rund 300 – belegen das große Vertrauen in unsere Leistungsfähigkeit. Ein Unternehmen mit dieser Vielfalt an Auftraggebern, Einsatzländern und Arbeitsthemen braucht eine optimale Organisationsstruktur, damit wir noch schneller und flexibler agieren können. Und genau daran arbeiten wir kontinuierlich.

Ende Dezember jährt sich zum zehnten Mal der verheerende Tsunami in Südostasien. Wie fällt Ihre Bilanz nach einem Jahrzehnt Aufbauarbeit aus?

Beim Wiederaufbau in den betroffenen Ländern wurde viel erreicht. Den Menschen wurde damals nicht nur ganz unmittelbar geholfen, wir haben auch die Grundlagen für eine bessere Entwicklung geschaffen. Das zahlt sich heute aus. Im indonesischen Banda Aceh waren damals Berufsschulen zerstört und es gab zu wenig Lehrer. Heute bilden dort drei Berufsschulen jährlich 2300 Schüler in 23 Berufen aus. Außerdem haben wir den Aufbau des Katastrophenschutzes in Thailand und Indonesien unterstützt, damit die Menschen in Zukunft besser auf ein Ereignis wie den Tsunami vorbereitet sind. Die Menschen gewinnen dadurch viel mehr Sicherheit.


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