Hilflose Symbolpolitik Hauseigentümer kritisieren Förderung von Gebäudedämmung


ten/uwe Osnabrück. Das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung stößt in der Wirtschaft auf teilweise scharfe Kritik. Unternehmerverbände warnen davor, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie durch Überregulierung zu gefährden. Der Eigentümerverband Haus & Grund kritisierte die geplanten Steuervorteile für die Dämmung von Häusern als „hilflose Symbolpolitik“.

Deutschland werde das Weltklima nicht retten, wenn es seine Häuser immer dichter mit Polystyrol-Platten einpacke, sagte Hauptgeschäftsführer Kai H. Warnecke unserer Redaktion. „Stattdessen werden wir ein riesiges Entsorgungsproblem in der Zukunft und Schimmelprobleme in der Gegenwart bekommen – vom Einheitslook der Häuserfassaden ganz zu schweigen“, warnte der Verband, der über 900000 private Vermieter, Haus- und Wohnungseigen-tümer sowie Kauf- und Bauwillige vertritt. Eigentümer würden von der Bundesregierung „dahin gedrängt, ihr hart verdientes Geld zum Fenster herauszuwerfen“, monierte Warnecke. Nur in seltenen Fällen rechneten sich energetische Modernisierungen in akzeptablen Zeiträumen. „Die Symbolpolitik muss ein Ende haben – zum Wohl der Bürger und des Klimas“, forderte der Verband.

Das Kabinett hat unter anderem beschlossen, dass Hauseigentümer die Kosten einer Fassadendämmung künftig steuerlich absetzen können. Die Bundesregierung plant, mit verschiedenen Maßnahmen die Treibhausgasemissionen bis 2020 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren. Im Basisjahr 1990 lag der CO2-Ausstoß bei rund 1.250 Millionen Tonnen. 2020 soll der Emissionswert bei 750 Millionen Tonnen stehen.

Parallel zu dem Aktionsprogramm unterzeichneten die Bundesregierung und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) eine Vereinbarung zu Energieeffizienz-Netzwerken. Mit der Zusage, bis 2020 die Einrichtung von rund 500 solcher Netzwerke nach Kräften zu fördern, übernehme die deutsche Industrie Verantwortung, betonte Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN).. Er kritisierte zugleich die Ziele des Klimaschutzprogramms. Eine Minderung der CO2-Emissionen um mindestens 40 Prozent bis 2020 und langfristig um 80 bis 95 Prozent bis 2050 gegenüber 1990, sei nach dem heutigen Stand der Technik „ein herber Schlag für die Industrie“. Auch brauche Deutschland weiterhin konventionelle Kraftwerke für eine verlässliche Energieversorgung.Müller: „Bei einem Industrieanteil von rund 25 Prozent am Bruttoinlandsprodukt sind die selbst gesetzten Ziele der Bundesregierung eine unnötige Überregulierung und eine Gefahr für unsere Wettbewerbsfähigkeit.“

Auch BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber kritisierte, im dritten Jahr der Energiewende drohe die Wirtschaftlichkeit aus dem Ruder zu laufen. Die Netzwerke werden nach seinen Worten einen sichtbaren Beitrag leisten für die Senkung von Energiekosten. Kerber fügte hinzu: „Wir müssen auch bei der Energieeffizienz im Gebäudebereich dringend vorankommen.“ Die Zusage einer steuerlichen Förderung im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz sei überfällig und ein wichtiger erster Schritt. „Damit es nicht nur bei Absichtserklärungen bleibt, müssen Bund und Länder sich nun rasch bei der Finanzierung einigen“, verlangte Kerber.


0 Kommentare