Naturkatastrophen und ihre Folgen Völkerrechtler: Klimawandel muss anerkannter Fluchtgrund werden

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Wie sich das Klima verändert: Eine illuminierte Weltkugel macht es deutlich. Foto: dpaWie sich das Klima verändert: Eine illuminierte Weltkugel macht es deutlich. Foto: dpa

dpa/epd/uwe Berlin. Jährlich rund 27,5 Millionen Menschen müssen nach Schätzung des Schweizer Völkerrechtlers Walter Kälin vor Naturkatastrophen fliehen. Davon seien 80 bis 90 Prozent klimabedingt, sagte Kälin dem Berliner „Tagesspiegel“ Er kritisierte, das sei „eine sehr prägnante Gegenwart, die nicht genug registriert wird“, Gebraucht würden deshalb Lösungen wie den Klimawandel als Fluchtgrund anzuerkennen, fordert das frühere Mitglied des UNO-Menschenrechtsausschusses.

Bisher gibt es nach den Worten von Kälin für diese Menschen keine legale Form der Wanderung, weshalb sie bislang unter einem hohen Maß an Unsicherheit leiden. Der Experte schlug zudem vor, temporäre Arbeitsmigration zu ermöglichen, wenn beispielsweise die Heimat von einer Dürreperiode betroffen ist oder die Fischbestände zurückgehen.

Laut dem Schweizer Völkerrechtler haben allein zwischen 2008 und 2013 mehr als 160 Millionen Menschen ihre Häuser, Dörfer und Städte wegen Naturkatastrophen verlassen müssen, von denen ein großer Teil klimabedingt war. Dazu komme eine unbekannte Größe an Menschen, die sich wegen weniger plötzlicher Klimaphänomene wie steigender Meeresspiegel und Dürreperioden auf den Weg gemacht haben. „Auch wenn wir die Zahl der Klimavertriebenen nicht genau kennen, wissen wir: Es geht um große Zahlen. Und sie werden weiter wachsen“, sagte Kälin.

Vor den Folgen des Klimawandels für die ärmsten Bevölkerungsgruppen der Welt haben erst unlängst Forscher und Weltbank-Chef Jim Yong Kim eindringlich gewarnt. Umweltfreundlicher öffentlicher Verkehr, saubere Energie sowie energiesparende Fabriken und Gebäude müssten gefördert werden, betonte Kim. Wie sich die Erderwärmung auf verschiedene Regionen auswirken könnte, haben Forscher des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einem Klimareport für die Weltbank zusammengefasst.

Die Folgen des Klimawandels werden nach Angaben des Instituts vor kaum einer Region der Welt haltmachen. Mittels Simulationen wurden verschiedene Szenarien untersucht: Selbst wenn die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad in diesem Jahrhundert begrenzt werden könne, dürften Klimafolgen weiter zunehmen, hieß es. Mit einem drastischen Anstieg der Folgen rechnen die PIK-Experten bei einer ungebremsten Erwärmung auf vier Grad noch in diesem Jahrhundert.

Außergewöhnliche heiße Sommer dürften vor allem Lateinamerika und der Karibik zu schaffen machen. „In den Anden Südamerikas schmelzen die Gletscher - das bringt auf Dauer den Wasserhaushalt dort durcheinander“, sagt der Koordinator des Berichts am PIK, Christopher Reyer. Damit steige das Risiko von Überschwemmungen saisonal, im Sommer könne das Wasser dennoch in einigen Orten knapp werden.

In der Karibik seien die natürlichen Riffe gefährdet, „mit möglicherweise drastischen Auswirkungen auf die Fischerei, den Tourismus und den Küstenschutz“, so Reyer weiter. Im westlichen Balkan rechnen die Forscher mit „Trockenstress“ und Hitzeextremen im Sommer, was auch Folgen für Wasserkraftwerke haben könnte.

Mit mehr Dürreperioden ist auch im Mittleren Osten und Nordafrika zu rechnen, heißt es im Report. Dort seien noch immer große Teile der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig und von Regen abhängig. Migration und Kampf um Ressourcen könnten das Risiko eines Konflikts bergen. Der Klimawandel mache es „schwieriger, Armut zu verringern, er betreffe die Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen, warnt Kim.


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