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28.11.2014, 19:45 Uhr FRANZISKUS BESUCHT TÜRKEI

Papst-Forderungen bei Erdogan: Mutig und direkt

Kommentar von Christof Haverkamp


hav Osnabrück. Papst Franziskus hat bei seinem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Religionsfreiheit und gleiche Rechte gefordert. Das klingt banal, ist es aber nicht.

Über den protzigen Tausend-Zimmer-Palast des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verlor Papst Franziskus kein einziges Wort. Andere Themen waren dem bescheiden lebenden Kirchenoberhaupt wichtiger. Und doch dürften Erdogan nicht alle höflich vorgetragenen Äußerungen des Papstes gefallen haben.

Denn Franziskus verwies auf die christlichen Wurzeln der Türkei. Offen und direkt verlangte er Religions- und Meinungsfreiheit und gleiche Rechte für Christen, Juden und Muslime. Das hört sich banal und selbstverständlich an, ist es aber keineswegs. Die Alltagspraxis sieht in islamisch geprägten Ländern anders aus. Auch in der Türkei müssen nichtmuslimische Minderheiten Nachteile erleiden. Und im Koran stehen widersprüchliche Passagen zum Umgang der Muslime mit Christen und Juden.

Daher hat sich Franziskus mutig und zugleich diplomatisch geschickt verhalten. Er betonte die Gemeinsamkeiten der großen Religionen und prangerte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an.

Erdogans Verhältnis zum IS ist weniger eindeutig. Vermutlich war es kein Ausrutscher, dass der Präsident direkt vor der Ankunft des Papstes mit heftigen Attacken gegen den Westen auf sich aufmerksam machte. Vielleicht wollte er einer deutlichen Kritik vorbeugen nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“. Es spricht für den Papst, dass er diesen Angriff ignoriert hat.


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