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28.11.2014, 17:22 Uhr FREMDENFEINDLICHKEIT SALONFÄHIG

Flüchtlingsdebatte: Man wird ja wohl noch sagen dürfen...

Kommentar von Dirk Fisser

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Osnabrück. Der Bund sagt den Ländern und Kommunen eine Milliarde als Unterstützung bei der Unterbringung von Flüchtlingen zu. Die Hilfe kommt zu spät. Längst brodelt in Deutschland eine fremdenfeindliche Debatte.

Die Debatte um die Unterbringung von Flüchtlingen offenbart, welche latente Fremdenfeindlichkeit in der deutschen Gesellschaft schlummert. Land auf, Land ab protestieren Bürger gegen Unterbringung von Asylbewerbern in ihrer Nachbarschaft. Ganz real auf der Straße, aber ganz besonders im Internet. Keine Spur von der viel beschworenen Willkommenskultur einer Nation, die weder ihre Spitzen- noch ihre Billigjobs mit Einheimischen besetzen kann und auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen ist.

Von der Ausländerhatz der 90er-Jahre mit brennenden Asylbewerberheimen ist die jetzige Diskussion sicherlich ein gutes Stück entfernt. Doch im Schatten des Zögerns und Zauderns der Bundespolitik scheinen Parolen von einst auch heute wieder salonfähig geworden zu sein. Was vom Flüchtlingsgipfel am 11. Dezember im Kanzleramt ausgehen sollte, ist ein eindeutiges Signal: Flüchtlinge sind keine Bedrohung, sie sind eine gesellschaftliche Herausforderung. Die eine Milliarde Euro vom Bund für Länder und Kommunen ist ein erstes Zeichen. Vor dem Hintergrund eines seit Jahren tobenden Bürgerkrieges in Syrien kommt das aber viel zu spät.

Nicht alle, die sich nun vor Überfremdung fürchten, wird das überzeugen. Denn wo Ignoranz und Dummheit zusammenfinden, da helfen auch keine Argumente mehr. Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen.


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