Neue Studie Schulessen: Zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse

Von Karsten Frei

Schüler eines Gymnasiums in Potsdam essen während einer Pause ihr Mittagessen. Foto: dpaSchüler eines Gymnasiums in Potsdam essen während einer Pause ihr Mittagessen. Foto: dpa

Osnabrück/Berlin. Nudeln, Pizza, Pfannkuchen, Pommes frites – mit diesen Gerichten werden zwar Kinder glücklich, nicht aber die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Sie sähe lieber Fisch, Gemüse, Obst und Vollkornprodukte auf dem Teller liegen und hat entsprechende Standards formuliert. Doch laut einer neuen Studie ist das Schulessen oft weit davon entfernt.

In kaum einem Bundesland essen die Schüler so selten in der Schule wie in Niedersachsen. Nach einer vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Auftrag gegebenen Studie nimmt nicht einmal jeder dritte Grund- und jeder fünfte Sekundarschüler (18 Prozent) an gemeinsamen Mahlzeiten in der Schulkantine teil. Dabei besuchen 38 Prozent der Schüler in Niedersachsen nach Angaben des Landeskultusministeriums eine Ganztagsschule. Zum Vergleich: In Bremen nehmen 94 Prozent der Grundschüler und 34 Prozent der Sekundarschüler das Angebot wahr, in der Schule zu essen.

Hier gibt es Nachbesserungsbedarf in Niedersachsen. „Was nützt uns die Qualität, wenn sie keiner isst?“, fragte die Leiterin der Studie, Professor Ulrike Arens-Azevedo bei der Vorstellung der Ergebnisse am Dienstag in Berlin. „In diesem Punkt gibt es deutlich etwas zu verbessern.“

Nicht nur in diesem Punkt: Nur 6,5 Prozent der untersuchten Speisepläne erfüllen die DGE-Vorgaben, wie das Hamburger Institut für Angewandte Wissenschaften herausfand. Zu selten finden Fisch, Gemüse und Rohkost ihren Weg auf den Teller, Fleisch und süße Hauptgerichte dafür umso häufiger. Im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hatten die Wissenschaftler 760 Speisepläne untersucht und 3500 Schulleiter und 12000 Schüler befragt. Die Ergebnisse wurden beim Bundeskongress Schulverpflegung am Dienstag in Berlin veröffentlicht.

Keine Kennzeichnung

Nachholbedarf gibt es demnach nicht nur bei den Zutaten, sondern auch in Sachen Kennzeichnung: In 40 Prozent der Fälle etwa können die Schüler nicht erkennen, von welchem Tier das Fleisch auf ihrem Teller stammt. Bei acht von zehn Speiseplänen waren Allergene nicht gekennzeichnet und nur in knapp etwas mehr als der Hälfte der Fälle waren die enthaltenen Zusatzstoffe aufgelistet..Verbesserungsbedarf sieht die Untersuchung zudem bei der Essensauswahl. So wird in jeder zweiten Grundschule nur ein Menü zum Mittag angeboten. Bei den weiterführenden Schulen sind es noch 25Prozent. An jeder dritten Grundschule und jeder zweiten weiterführenden Schule stehen immerhin zwei Essen zur Auswahl. Ein Drittel der Schulen bietet zudem ein Salatbuffet an.

Laut Kultusministerkonferenz werden bereits 2,4 Millionen Schüler ganztags unterrichtet – fast ein Drittel aller Kinder von der Grundschule bis zur Mittelstufe. Und der Trend zur Ganztagsschule hält an. Entsprechend wichtig ist für die Kinder ein ausgewogenes Mittagessen.

Qualitätsoffensive gefordert

Angesichts der eher mäßigen Noten für das Essen an deutschen Schulen hat Ernährungsminister Christian Schmidt eine Qualitätsoffensive angekündigt und gefordert, dass die DGE-Qualitätsstandards flächendeckend „Beachtung finden“ sollten. „Nudeln, Pizza und Pommes, das will ich niemandem austreiben“, sagte Schmidt. Doch gebe es Beispiele dafür, wie Essen schmackhaft und gleichzeitig gesund zubereitet werden kann. „Man neigt dazu, den Unterschied in der Verpflegung eher in der Größe der Portionen als in der Zusammensetzung der Gerichte zu sehen. Kinder sind keine jungen Erwachsenen.“

Und die befragten Schüler? Die sehen das alles nicht so eng wie die Prüfer. 54 Prozent der Grundschüler finden das Schulessen sehr gut oder gut, auch an den weiterführenden Schulen sinkt die Zufriedenheit nur wenig. Doch fehlt ihnen die Zeit, das Essen zu genießen: Nur in 39 Prozent der Schulen dauert die Mittagspause länger als 46 Minuten. (Mit epd)