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25.11.2014, 12:13 Uhr AUSSCHREITUNGEN IN FERGUSON

Der Fall Michael Brown: USA kämpfen mit Rassismus-Problem

Kommentar von Désirée Therre

Seit Montagabend stehen sich Polizei und Demonstranten gegenüber: Nicht nur in Ferguson kam es an diesem Abend zu Ausschreitungen. Foto: dpaSeit Montagabend stehen sich Polizei und Demonstranten gegenüber: Nicht nur in Ferguson kam es an diesem Abend zu Ausschreitungen. Foto: dpa

Osnabrück. Der Zorn richtet sich gegen Polizei und Rechtsstaat – die gewalttätigen Ausschreitungen nach dem Jury-Urteil zeigen, dass die amerikanische Gesellschaft ein Rassismus-Problem hat.

Die Sklaverei ist abgeschafft, die Rassentrennung auch: Die Ausschreitungen in Ferguson im Fall Michael Brown zeigen jedoch, dass viele US-Bürger hinter der Jury-Entscheidung rassistische Motive vermuten.

Vor dem Gesetz sind zwar Afroamerikaner und andere US-Bürger gleich. Die Ungerechtigkeit, ein Erbe der Sklaverei, zeigt sich jedoch noch heute in Gehaltstabellen oder der Kriminalstatistik. Die Proteste zeigen aber auch etwas anderes: Misstrauen in den Rechtsstaat und vor allem in die Redlichkeit der Polizei. Zu oft erweckte sie den Eindruck, als ob sie parteiisch ist. Über Schuld und Unschuld des Todesschützen zu urteilen muss Aufgabe der Justiz bleiben. Es liegt allerdings in ihrer Verantwortung, das Vertrauen aller US-Bürger durch transparente Entscheidungen zurückzugewinnen.

Als mit Barack Obama 2009 der erste Afroamerikaner als Präsident ins Weiße Haus einzog, hat das vor allem die schwarze Bevölkerung als Erfolg gefeiert. Obama ist jedoch die Ausnahme. Es zeigt sich nun in aller Heftigkeit, dass die USA noch immer mit einem Rassenproblem zu kämpfen haben.

Der amerikanische Staat muss sich endlich kritisch hinterfragen – und wirtschaftliche, soziale und juristische Benachteiligung ernsthaft prüfen. Eine Nation muss auf die Couch: damit sie ihrem sich selbst erteilten Selbstverständnis von Freiheit und Chancengleichheit endlich gerecht wird.


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