Abschied von BKA-Chef Ziercke Vom Streifenwagen zum Präsidenten

Von Melanie Heike Schmidt

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU, links) verabschiedet den scheidenden BKA-Präsidenten Jörg Ziercke. Foto: dpaBundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU, links) verabschiedet den scheidenden BKA-Präsidenten Jörg Ziercke. Foto: dpa

Osnabrück/Mainz. Führungswechsel beim Bundeskriminalamt (BKA): Auf den langjährigen Präsidenten Jörg Ziercke folgt Holger Münch. Zur Staffelstabübergabe gab es reichlich Lob für den scheidenden Chef – und ein großes Aufgabenpaket für Nachfolger Münch.

Deutschland muss nach Ansicht von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) schlagkräftiger gegen internationale kriminelle Banden vorgehen. Deshalb sollte der Generalbundesanwalt bei Delikten internationaler organisierter Kriminalität zuständig sein, schlug de Maizière am Mittwoch in Mainz vor. „So könnten wir große Ermittlungsverfahren effizienter koordinieren.“

Bei der traditionellen BKA-Herbsttagung wollte de Maizière dessen langjährigen Präsidenten Jörg Ziercke (67) in den Ruhestand verabschieden. Neuer Leiter der obersten deutschen Polizeibehörde wird der bisherige stellvertretende Bremer Innensenator Holger Münch (53).

Im Kampf gegen organisierte Kriminalität hielt der Minister auch mehr Flexibilität der Sicherheitsbehörden für notwendig. Das „Versagen unseres Staates bei der Aufklärung der NSU-Morde“ nannte er als negatives Beispiel der vergangenen Jahre. Die Polizei solle ihre strikte Einteilung in einzelne Kriminalitätsbereiche hinterfragen. Das gelte beim Terror, bei Hooligans, Rockern, bei Einbruch oder Internet-Kriminalität. Außerdem sei eine bessere Kooperation mit den Sicherheitsbehörden im Ausland nötig. „Wir können hier noch so gut sein in Deutschland“, sagte de Maizière. „Wir können noch so viele Ausreisen verhindern und Wiedereinreisen verhindern . Das alles geht nur mit internationaler Zusammenarbeit.“ Er nannte die Nachrichtendienste in der Türkei und in den USA sowie die an den EU-Außengrenzen als Beispiel. In Deutschland seien Ermittlungsmöglichkeiten bis hin zum Abhören von Telefonen nötig.

„Mit Herrn Ziercke verabschieden wir einen großen BKA-Präsidenten“, sagte de Maizière. Ziercke sei ein international anerkannter Polizeifachmann gewesen.„Er war mir ein wichtiger Ratgeber.“ Auch der neue Präsident Münch habe das Polizeihandwerk von der Pike auf gelernt, sagte de Maizière. Er habe eine Karriere „vom Streifenwagen zum BKA-Präsidenten“ durchlaufen. Münch übernimmt am 1. Dezember die Amtsgeschäfte des BKA, das in Wiesbaden, Berlin und Meckenheim bei Bonn 5500 Mitarbeiter hat.

Die Gewerkschaft der Polizei begrüßte es, dass die BKA-Herbsttagung die organisierte Kriminalität ins Visier nimmt. „Bei aller notwendigen Konzentration auf die Bekämpfung des islamistischen Terrorismus darf die Bekämpfung der organisierten Kriminalität nicht vernachlässigt werden“, sagte der GdP-Vorsitzende Oliver Malchow. Dem neuen BKA-Präsidenten Münch sicherte er Unterstützung zu.

Wolfgang Bosbach, Vorsitzender des Innenausschusses des Bundestages, findet für Ziercke lobende Worte. In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte Bosbach: „Herr Ziercke hat in seiner 10-jährigen Amtszeit hervorragende Arbeit geleistet!“ Bosbach, selbst seit fünf Jahren Vorsitzender des Innenausschusses, zog insgesamt eine positive Bilanz der Zusammenarbeit mit Ziercke. „Er war uns im Innenausschuss zu jeder Zeit ein kompetenter und engagierter Gesprächspartner, der oft selbst komplizierte Details aus schwierigen Ermittlungen präzise schildern konnte“, erklärte der CDU-Politiker.

Vor wenigen Monaten hatte Bosbach Ziercke noch öffentlich kritisiert. Hintergrund waren dessen Aussagen vor dem Innenausschuss zur Edathy-Affäre .

Ziercke, den der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) im Februar 2004 ins Amt geholt hatte, geht aus Altersgründen in den Ruhestand. An diesem Mittwoch hat der 67-jährige SPD-Politiker offiziell den Staffelstab an seinen Nachfolger Holger Münch (53, parteilos). Münch übergeben. (Mit dpa)