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19.11.2014, 13:49 Uhr NACH ANSCHLAG AUF SYNAGOGE

Israels Premier Netanjahu will Rache

Kommentar von Désirée Therre


Osnabrück. Es ist gefährlich, den Nahost-Konflikt auf Jerusalem und den Streit um die Deutungshoheit auf dem Tempelberg zu reduzieren. Die Heilige Stadt steht nicht für das übrige Land Israel, in dem auch viele nicht so religiöse Menschen leben. Im Mikrokosmos Jerusalem zeigt sich der Konflikt jedoch in seiner überzeichneten und schärfsten Form.

Nach gescheiterten Friedensverhandlungen und den noch unverheilten Wunden nach dem jüngsten Gaza-Krieg wäre es falsch, die Tat lediglich auf die Verzweiflung und Machtlosigkeit angesichts des politischen Versagens auf beiden Seiten zurückzuführen. Es ist der Hass. Mit dem Anschlag auf die Synagoge in dem orthodoxen Stadtteil haben es die Attentäter geschafft, die Angst vor der Unberechenbarkeit erneut zu schüren.

Überraschend sind die Reaktionen darauf nicht: Entsetzen in der Bevölkerung, Missbilligung der Weltgemeinschaft – und die Ankündigung des israelischen Premiers Benjamin Netanjahus: Wir befinden uns in einem Kampf um Jerusalem, unserer ewigen Hauptstadt. Die Verschärfung der umstrittenen Methode, die Häuser palästinensischer Attentäter zu zerstören, wirkt wie eine alttestamentarischer Bestrafungsreflex – nicht wie verantwortungsvolles politische Handeln.

Ein möglicher Militäreinsatz in Ostjerusalem wird radikale Palästinenser nicht davon abhalten, Israel im Kern treffen zu wollen. Versöhnliche Zugeständnisse – so schwer sie beiden Seiten fallen – sind der einzige Weg, um eine Eskalation zu stoppen. Die gemäßigte Reaktion des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas, der die Angriffe verurteilte, ist so ein Zugeständnis.


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