„Schritt für Schritt“ Porträt: Klaus Iohannis, der neue Präsident Rumäniens

Von dpa

Gilt als ehrlich und unbestechlich: Klaus Iohannis, der neue rumänische Präsident. Foto: dpaGilt als ehrlich und unbestechlich: Klaus Iohannis, der neue rumänische Präsident. Foto: dpa

Bukarest. Die Rumänen haben ihn gewählt, weil sie ihn als stillen, aber ehrgeizigen Politiker schätzen. Der deutschstämmige neue Präsident Iohannis will mit der Korruption aufräumen, die Staatsfinanzen ordnen und die Wirtschaft durch Steuersenkungen ankurbeln.

„Statt dass ich zum Rüpel werde, verliere ich lieber die Wahl“, sagte Klaus Iohannis kurz vor seinem Wahlsieg. Die Rumänen haben den Siebenbürger Sachsen überraschenderweise gerade deswegen gewählt, weil er in der verbal aggressiven Politikerlandschaft seines Landes eine Ausnahmefigur ist: wortkarg, für manche gar langweilig, mit Vorliebe für das Understatement. Besorgte Anhänger hatten ihm vorgeworfen, zu wenig offensiv aufzutreten.

Seine Gegner hatten ihn mit Vorwürfen unter der Gürtellinie überschüttet: Als Siebenbürger Sachse sei er „kein richtiger Rumäne“, als Protestant hänge er in dem mehrheitlich christlich-orthodoxen Land dem falschen Glauben an. Sogar, dass er keine Kinder hat, machten ihm Rumäniens Sozialisten zum Vorwurf. Iohannis sah sich genötigt, öffentlich zu erklären, dass seine Kinderlosigkeit medizinische Gründe habe.

Als Staatschef drängt Iohannis nun auf Ordnung in den Staatsfinanzen. Er sagt zudem der Korruption den Kampf an. „In jeder Partei gibt es korrupte Politiker, auch in meiner eigenen“, sagte er. Nun soll das große Aufräumen beginnen. Derzeit kann das Parlament bestimmte Teile strafrechtlicher Ermittlungen gegen Politiker verhindern. Iohannis verlangt die Abschaffung jeglicher strafrechtlicher Immunität für Politiker – auch für den Staatschef selbst. Anders als Politiker in Nachbarländern, die mit Russland liebäugeln, sieht sich Iohannis als treuer Partner von EU und Nato. Rumäniens Wirtschaft will er durch Steuersenkungen ankurbeln.

Iohannis hat darauf vertraut, dass sein Erfolg als Bürgermeister im siebenbürgischen Sibiu (Hermannstadt) bei der Bewerbung um das Präsidentenamt für sich sprechen würde – und er hat Recht behalten. Seit seinem Amtsantritt als Rathauschef im Jahr 2000 wurde er dreimal wiedergewählt, stets mit mehr als zwei Dritteln der Stimmen. Er entwickelte die mittelalterliche Stadt zur Attraktion für Investoren und Touristen.

Lange hat sich Iohannis von der Parteipolitik ferngehalten. 2013 trat er der damals mitregierenden Nationalliberalen Partei (PNL) bei, um besseren politischen Rückhalt für seine Arbeit als Rathauschef zu gewinnen. Seit Juni 2014 ist er PNL-Vorsitzender. Diesen schnellen Aufstieg verdankt er einem Machtvakuum, das in der PNL nach schlechtem Abschneiden bei der Europawahl entstanden war.

Geboren am 13. Juni 1959 in Sibiu wurde Iohannis nach einer Karriere als Lehrer am traditionsreichen deutschsprachigen Brukenthal-Gymnasium in Sibiu zunächst Schulinspektor. Anders als die meisten Siebenbürger Sachsen – darunter seine Familie – wanderte er nicht nach Deutschland aus. Seine Ehefrau Carmen ist auch ethnisch eine Rumänin. Für das Rathaus kandidierte er zunächst im Namen des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), dessen Vorsitzender er war. All dies schildert Iohannis in einer jüngst in Bukarest erschienenen Autobiografie, deren Titel auch seinem Credo entspricht: „Schritt für Schritt“ (original „Pas cu pas“) hat er sich konsequent hochgearbeitet.