Interview Sonntagabend in der ARD Putin warnt vor Folgen der Russland-Sanktionen

Von dpa

Stellt seinen Standpunkt dar: Kremlchef Wladimir Putin hat der ARD ein Interview gegeben. Es wird heute Abend im Rahmen von Günter Jauchs Talkshow ausgestrahlt – mit anschließender Diskussion. Foto: dpaStellt seinen Standpunkt dar: Kremlchef Wladimir Putin hat der ARD ein Interview gegeben. Es wird heute Abend im Rahmen von Günter Jauchs Talkshow ausgestrahlt – mit anschließender Diskussion. Foto: dpa

Berlin. Beim G20-Gipfel in Australien haben westliche Staats- und Regierungschefs Kremlchef Wladimir Putin wegen der Ukraine-Krise in die Mangel genommen. Im Interview mit der ARD kritisiert der russische Präsident einseitige Sichtweisen und warnt vor schweren Folgen der Sanktionen.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat im Ukraine-Konflikt vor einseitigen Schuldzuweisungen gewarnt. In einem Interview für die ARD-Sendung „Günther Jauch“ wies Putin außerdem darauf hin, dass Sanktionen gegen Russland auch für Deutschland ernste Folgen haben könnten. Der Ukraine-Konflikt war das dominierende Thema der Staats- und Regierungschefs beim G20-Gipfel in Australien.

Die Ukraine-Krise stand zwar nicht auf der Tagesordnung, doch bis spät in die Nacht führte Putin Einzelgespräche, auch mit Kanzlerin Angela Merkel, in denen es überwiegend um die Krise ging. US-Präsident Barack Obama sagte, die USA und die EU planten derzeit keine neuen Sanktionen gegen Russland wegen des Konflikts. Obama und Europas Staats- und Regierungschefs hatten sich über das weitere Vorgehen abgestimmt.

Der Kreml hatte bereits vor der Ausstrahlung des Interviews in der ARD am Sonntagabend Gesprächsauszüge veröffentlicht. Demnach forderte Putin, in der Ukraine-Krise das Gesamtbild im Auge zu behalten. „Das Wichtigste ist, dass man das Problem nicht einseitig betrachten darf“, sagte er. Das ukrainische Militär setze im Kampf mit prorussischen Separatisten Raketen ein, aber dies werde nicht erwähnt, kritisierte der Kremlchef. Russland weist eine Beteiligung an dem Konflikt entschieden zurück.

Putin warnte außerdem vor den Folgen der Strafmaßnahmen gegen sein Land. Durch eine Einschränkung russischer Banken am internationalen Finanzmarkt könnten diese weniger Kredite an russische Unternehmen vergeben, die mit deutschen Partnern arbeiteten. „Früher oder später hat das nicht nur für uns Auswirkungen, sondern auch für Sie“, meinte Putin. Er verwies auf Schätzungen, wonach in Deutschland Tausende Arbeitsplätze von der wirtschaftlichen Kooperation mit Russland abhängen sollen.

Auch für die Ukraine seien die Sanktionen gefährlich, meinte der Kremlchef. Russische Banken hätten Kredite über 25 Milliarden Dollar (20 Milliarden Euro) im Nachbarland vergeben. Mit Sanktionen treffe der Westen russische Banken und damit auch die Ukraine. „Denken Sie (der Westen) überhaupt nach, was Sie tun?“ fragte Putin.

Die EU- und US-Sanktionen hätten Russland zwar geschadet, sagte Putin. Als Chance für die Entwicklung bewertete Putin aber, dass Russland durch westliche Exportverbote nun selbst bestimmte Waren herstellen müsse.

Die russische Wirtschaft steht infolge der Ukraine-Krise und der Sanktionen massiv unter Druck. Der Rubelkurs brach in den vergangenen Monaten stark ein: Lag der Wechselkurs zu Jahresanfang noch bei etwa 45 Rubel für einen Euro, waren es Anfang November bis zu 60 Rubel. Die Zentralbank erwartet für 2014 einen Kapitalabfluss aus Russland von 129 Milliarden US-Dollar.

Das Interview wird zeitgleich zu Günther Jauchs Talkshow heute Abend unter www.tagesschau.de veröffentlicht.