Ukraine-Krise überschattet G20-Gipfel Putin als „schwarzes Schaf“ und „Außenseiter“

Im Kreuzfeuer der Kritik: Wladimir Putin. Foto: dpaIm Kreuzfeuer der Kritik: Wladimir Putin. Foto: dpa

Reuters/uwe. Für den russischen Präsidenten Wladimir Putin muss der G20-Gipfel in Brisbane eine Tortur gewesen sein. Vom „Schwarzen Schaf“, der „einsamen Figur“ und einem „politischen Außenseiter“ war in der Presse des Gastgeberlandes Australien die Rede. Unter den Teilnehmern stand offenbar der kanadische Ministerpräsident Stephen Harper kurz davor, Putin den Handschlag zu verweigern.

„Ich denke mal, ich gebe Ihnen die Hand, aber ich habe Ihnen nur eines zu sagen: Sie müssen aus der Ukraine verschwinden“, sagte Harper dem russischen Präsidenten, und sein Sprecher sorgte dafür, dass diese Anmerkung die Runde machte. Dass Putins Reaktion „nicht positiv“ ausfiel, bedarf eigentlich keiner Erwähnung - was Harpers Sprecher aber nicht davon abhielt, noch einmal ausdrücklich darauf zu verweisen.

In Putins Delegation wurde der Vorfall bestätigt. Er soll das mit der Bemerkung quittiert haben, Russland könne die Ukraine gar nicht verlassen, weil man nicht dort sei. Das änderte nichts daran, dass Putin in Brisbane ziemlich allein stand. So wurde er beim traditionellen Familienfoto der Gipfelteilnehmer ganz an den Rand gedrängt. US-Präsident Barack Obama bezeichnete ihn als Aggressor, Gastgeber Tony Abbott gab ihm die Schuld für den Absturz d es malaysischen Passagierflugzeuges in der Ostukraine Mitte Juli.

Putin blieb nicht viel mehr, als in bilateralen Gesprächen seine Positionen darzustellen und über die Medien nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ zu kontern. In einem während des Gipfels veröffentlichten ARD-Interview machte er deutlich, er werde nicht zulassen, dass sämtliche politischen Gegner der Regierung in Kiew vernichtet würden. Und der Presse im Westen gab er auch noch einen mit: „Das Wichtigste ist, dass man das Problem nicht einseitig betrachten darf.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel allerdings nahm sich viel Zeit für den alten Bekannten. Mehr als dreieinhalb Stunden sprach sie mit ihm: weniger über die konkrete Lage, sondern eher über das Grundsätzliche. Putin habe dabei erneut deutlich gemacht, dass er nach wie vor in Kategorien des Kalten Krieges denke, sickerte danach durch. Das aber wusste Merkel schon.

Putin hatte es auf dem Gipfel in Brisbane jedenfalls schwer, Verständnis für seine Haltung zu gewinnen. So sprach nur sein Präsidialamt davon, dass er für seine Position in der Ukraine-Frage von Partnern der Schwellenländer-Gruppe Brics Unterstützung erhalten habe. Davon war aber in einer Erklärung nach dem Treffen der betroffenen Staats- und Regierungschefs aus Brasilien, Indien, China und Südafrika am Rande des Gipfels keine Rede.

Doch auch wenn Putin auf dem Gipfel allein stand: Die Schlagzeilen bestimmte er mit seinem Streit über die Ukraine-Politik allemal. Manche Teilnehmer des Gipfels meinen, schon das könnte er als Erfolg für sich werten.