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14.11.2014, 12:03 Uhr GESUCHT: EINE LÖSUNG MIT VERNUNFT

G20-Gipfel und Ukraine-Krise: Auf Merkel kommt es an

Kommentar von Burkhard Ewert

Wladimir Putin kommt zum G20-Gipfel nach Australien - vor gut einem Jahr (Foto) trafen sich die wirtschaftsstärksten Länder der Welt noch in Russland. Foto: dpaWladimir Putin kommt zum G20-Gipfel nach Australien - vor gut einem Jahr (Foto) trafen sich die wirtschaftsstärksten Länder der Welt noch in Russland. Foto: dpa

Osnabrück. Wie viele Gelegenheiten will der Westen noch verstreichen lassen, um Russlands auf Augenhöhe zu begegnen? Am Wochenende bietet der G20-Gipfel die Chance, eine weitere Eskalation abzuwehren. Besonders Deutschland ist gefragt.

Wer noch Zweifel hegt an Deutschlands neuer Rolle in der Welt, der sollte an diesem Wochenende nach Australien blicken. Dort hoffen die Teilnehmer des G20-Gipfels darauf, dass sich Kanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin endlich auf einen Fahr- und Friedensplan in der Ukrainekrise verständigen, aus der längst ein neuartiger und beiderseits hochgradig zynisch betriebener Stellvertreterkrieg zwischen Ost und West geworden ist.

Deutschland sollte dabei zeigen, dass es seinen Einfluss klug zu nutzen weiß. Es muss seine strategischen Ziele kennen und sich seiner Mittellage bewusst sein. Es muss die Handelsströme bedenken und auch den nachhaltigen wirtschaftlichen Schaden in Betracht ziehen, den die Sanktionen im eigenen Land bewirken. Zudem gilt es, sich der atmosphärischen Störungen bewusst zu sein, die wachsen und Gefahren in der Zukunft bedeuten können, die gegenwärtig niemand voraussehen kann.

Der Schluss daraus sollte bedeuten, ernsthaft auf Russland zuzugehen und eine Lösung zu finden, bei der beide Seiten Wohlwollen zeigen statt auf Härte zu setzen. Jeder, der offen oder heimlich damit liebäugelt, im Zuge dieser Krise ganz Russland zu destabilisieren, die Wirtschaft des Landes und Wladimir Putin persönlich zu schwächen, sei hingegen gewarnt. Bei allen Mängeln in Russland war der Grad an Rechtsstaatlichkeit und Demokratie selten höher als derzeit, vermutlich nie. Fiele das riesige Land dem Chaos anheim, wäre der jetzige Zustand paradiesisch dagegen.