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Brisante Buchvorstellung Maschmeyers Freunde und ein teurer Handschlag

Von dpa

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (l), seine Frau Doris Schröder-Köpf sowie AWD-Gründer Carsten Maschmeyer beim Sommerball 2009 in der russischen Botschaft in Berlin. Foto: dpaEx-Bundeskanzler Gerhard Schröder (l), seine Frau Doris Schröder-Köpf sowie AWD-Gründer Carsten Maschmeyer beim Sommerball 2009 in der russischen Botschaft in Berlin. Foto: dpa

Berlin. Ein Handschlag sollte reichen. Aber da hatte Carsten Maschmeyer scheinbar die Rechnung ohne einen misstrauischen Beamten des Finanzamts Hannover gemacht. Also musste der Gründer des Finanzdienstleisters AWD zwei Jahre später noch einen Vertrag aufsetzen. Der Titel der Autobiografie von Altkanzler Gerhard Schröder hieß darin falsch: „Erinnerungen - Mein Leben in der Politik“. Erschienen war sie da schon als: „Entscheidungen“.

Für die Nutzungsüberlassung habe er „an Herrn Schröder einen Vorschuss in Höhe von EUR 2.016.380,37 (inkl. USt) gezahlt“, heißt es in dem Vertrag, der zwei Reportern des „Stern“ zusammen mit Tausenden weiteren Dokumenten zugespielt worden war.

Zwei Millionen Euro für ein Buch, dessen Hardcover-Version keine 200000 Mal verkauft worden ist? „Da kann man 300000 Euro zahlen“, meint eine Vertreterin des Droemer Verlags am Donnerstag in Berlin. „Es war ein absurdes Honorar“, sagt Oliver Schröm, der mit seinem „Stern“-Kollegen Wigbert Löer das Buch „Geld - Macht - Politik: Das Beziehungskonto von Carsten Maschmeyer, Gerhard Schröder und Christian Wulff“ geschrieben hat. Die Vorstellung wurde aus Angst vor juristischen Schritten („Herr Maschmeyer ist sehr klagefreudig“) als geheime Kommandosache behandelt. Zitiert wird darin auch der Vertrag.

Vor etwa einem Jahr ereilte Schröm an den Hamburger Landungsbrücken ein Anruf: Ein Insider wollte Details zu AWD auspacken, das Unternehmen machte mit Finanzprodukten, Fonds und Riester-Verträgen gute Geschäfte - die Vertriebsmethoden sind umstritten, viele Bürger verloren Geld. Angeblich sollen sich noch vier weitere Quellen den Autoren offenbart haben. Sie bekamen viel Datenmaterial. „Wir rechnen nur noch in Gigabytes“, so Schröm. Er räumt ein, dass vieles bekannt sei, aber das System AWD könne nun umfassend ausgeleuchtet werden.

Bisher war beim Honorar Schröders, der von 1998 bis 2005 als Kanzler regierte, von einer Million Euro die Rede gewesen. Eine Sprecherin Maschmeyers betont, die Abweichung sei eine „Darstellungssache“. Nach Abzug aller Steuern und Abgaben sei die bereits bekannte Summe von einer Million übrig geblieben. Also geht es einfach nur um Brutto und Netto?

In Maschmeyers Umfeld meint man, Bekanntes werde aufgebauscht. Selbst die Autoren räumen ein, dass zwischen Maschmeyer und Schröder nichts Illegales stattgefunden habe: „Das ist juristisch nicht greifbar“, sagt Schröm.

Das Buch thematisiert vor allem die „Niedersachsen-Connection“. Hier mal eine Flasche teuren Rotwein, da ein schmeichelnder Brief - und eine Bitte, etwas politisch einzubringen. Die Autoren verweisen auf einen Brief Maschmeyers an den Stahlunternehmer und späteren RWE-Chef Jürgen Großmann, mit den Ministerpräsidenten Schröder und später Christian Wulff „aufs richtige Pferd“ gesetzt zu haben.

Wulff holte die Nähe zu Maschmeyer und gemeinsame Urlaube später als Bundespräsident wieder ein, im Fall Schröder wird beschrieben, wie Maschmeyer bei einer Weiterentwicklung der Riester-Rente Änderungen verlangt haben soll. Der Unternehmer sah in der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge einen lukrativen Markt. In einem Interview sagte Maschmeyer 2005 nach der Riester-Reform: „Es ist so, als ob wir auf einer Ölquelle sitzen. Sie ist angebohrt, sie ist riesig, sie wird sprudeln.“

Der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick, der das Buch mit präsentiert, betont, es bestehe oft noch eine veraltete Vorstellung von Einflussnahme, dass da jemand mit den schwarzen Koffern komme. „Es geht häufig um Tauschprozesse und Freundschaften von gegenseitigem Vorteil“, sagt Schick. Die Sphären von Politik und Wirtschaft müssten stärker voneinander getrennt werden.

Maschmeyer, der Ende September im Beisein von Schröder und vielen Prominenten an der Côte d’Azur die Schauspielerin Veronika Ferres geheiratet hat, droht nach den Flitterwochen schlechte Presse. Allerdings wird betont, dass AWD (heute Swiss Life Select) nur drei Prozent aller Riester-Verträge vermittelt habe. Maschmeyer ist längst raus aus dem Geschäft. Schröder, der sich dazu vorerst nicht äußern will, dürfte die Sache nicht besonders jucken.

Im Buch wird behauptet, der Handschlagvertrag sei im August 2005 geschlossen worden. Da war Schröder noch im Amt. „Die Zusage der zwei Millionen vor der Wahl finde ich hochproblematisch“, meint der Grüne Schick. Maschmeyer lässt diese Darstellung zurückweisen: Den Handschlag mit Schröder habe es erst im November 2005 gegeben. Da war Schröder schon abgewählt.