Kein Leben nach Plan Kerstin Fischer: Statt zum DDR-Blatt zur BBC

Von Norbert Meyer

Neustart in Freiheitnach Jungen Pionieren, FDJ und DDR-Schule: Kerstin Fischer. Foto: BBCNeustart in Freiheitnach Jungen Pionieren, FDJ und DDR-Schule: Kerstin Fischer. Foto: BBC

Osnabrück. Kerstin Fischer war 17 Jahre alt, als die Mauer fiel. Ein halbes Jahr später machte sie Abitur, und ihre Welt war eine völlig andere als die ihrer Kindheit.

mey Berlin. „My lost world of communism“– unter diesem Titel erklärte die heute 42-jährige Berlinerin Hörern und Zuschauern der BBC schon vor fünf Jahren ihre Geschichte und die von anderen Menschen aus Ostdeutschland. In der DDR war der Weg der einstigen Jung-Pionierin, FDJlerin und Einser-Abiturientin aus der Umgebung von Torgau vorgezeichnet: Journalistin sollte sie werden und für Staatsmedien arbeiten.

Journalistin ist Kerstin Fischer tatsächlich geworden, aber der Rest lief – jedenfalls im Sinn der DDR – ganz unplanmäßig ab: Nach Volontariat und Anfangsjahren bei einer Lokalzeitung, Studium und in London erworbenem Mastertitel bekam sie eine Stelle bei der BBC, für die sie von Berlin aus über Deutschland und Zentraleuropa berichtet. Am Sonntag weckten die Jubiläums-Feierlichkeiten in Berlin bei ihr besondere Erinnerungen.

„Das Jubiläum des Mauerfalls hat mir erneut gezeigt, dass mein Leben total anders verlaufen ist als das meiner Eltern. In Freiheit und ohne Zwang einer Partei“, sagt sie. Über Wolf Biermann, den aus der DDR ausgebürgerten Liedermacher, der die Linken als „Drachenbrut“ bezeichnet, sagt sie: „Er ist ein toller Typ mit Mut, die Dinge auszusprechen.“

„Allerdings hätte er auch die anderen Parteien kritisieren sollen, die die Belange der Ostdeutschen noch immer nicht ernst nehmen,“ wirft Kerstin Fischer ein. Das ist nach ihrer Ansicht der „der Hauptgrund, warum die Linke in Thüringen regieren wird und in anderen ostdeutschen Ländern eine ernst zu nehmende Partei ist und nicht nur eine ewig gestrige SED-Nachfolgerin.“