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09.11.2014, 17:35 Uhr

Pflegenotstand: Es kann jeden treffen

Kommentar von Esther Alves

Der Pflegenotstand spitzt sich auch in Niedersachsen zu. Foto: dpaDer Pflegenotstand spitzt sich auch in Niedersachsen zu. Foto: dpa

Osnabrück. Jeder hat ein Recht auf ein würdiges Leben bis zuletzt. Nichts Geringeres fordern die sieben Musterkläger ein, und man kann ihnen nur beipflichten. Ihre Verfassungsbeschwerde, die die Zustände in deutschen Altenheimen mal wieder zum Thema macht, ist ein starkes Signal.

Sie lenkt nicht nur die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Pflegenotstand , sondern sie macht auch deutlich, dass dieses Problem kein Nischenproblem ist, das ein paar Pfleger und ein paar mehr Pflegebedürftige betrifft. Hier klagen sieben noch selbstständige Bürger, die befürchten, einmal pflegebedürftig zu werden und den Missständen hilflos ausgeliefert zu sein – ein Schicksal, das ausnahmslos jeden treffen kann.

Die Horrorszenarien von Vernachlässigung, Druckgeschwüren oder gar Fixierung in Pflegeheimen mögen Einzelfälle sein, sie kommen aber immer wieder vor. Wenn man dann bedenkt, wie schnell – gegen den Willen der meisten Deutschen – eine Maut aus dem Boden gestampft wird, ist es ein Jammer zu sehen, wie schwerfällig die Bedingungen im Pflegebereich verbessert werden, obwohl dies zugunsten aller geschähe. Die aktuelle Pflegereform greift zu kurz, das Kernproblem – die schlechte Vergütung der Pflegekräfte und der damit einhergehende Personalmangel – bleibt von ihr unberührt.

Der juristische Erfolg der Verfassungsbeschwerde ist unter Experten umstritten. Doch dieser Hilfeschrei sollte zumindest in der Politik nachhallen.


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