Hogesa vor dem Ende? Fanforscher: Das letzte Aufbäumen der Hooligans


Osnabrück. Das Verbot der Hooligan-Demonstration in Hannover durch die Polizei stellt einen Rückschlag für die „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) dar. Doch gab es nach der Ansicht von Fanforscher Gunter A. Pilz bereits nach der eskalierten Demonstration in Köln Anzeichen dafür, dass die junge Bewegung wieder an Kraft verliert.

Das aktuelle Bündnis verschiedener Hooligan-Gruppen in Deutschland schätzt der Fanforscher Gunter A. Pilz vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Hannover als ein „letztes Aufbäumen der Szene vor dem Versinken in der Bedeutungslosigkeit“ ein. Der Zusammenschluss unter dem Motto „In den Farben getrennt – in der Sache vereint: Hooligans gegen Salafisten“ sei ein „kluger Schachzug“ gewesen, da auch große Teile des bürgerlichen Lagers den radikalen Islamisten skeptisch gegenüberstünden. „Das lenkt von der eigenen Demokratiefeindlichkeit ab.“

Dennoch bezweifelt der Experte auf dem Feld der Hooligan- und Fanszene, dass die Szene sich nun verstärkt politisiere. „Das, was wir aktuell beobachten, ist eher eine Reaktivierung der bereits in den 80er-Jahren aktiven rechten Hooligan-Szene, die sich auch damals schon nicht unpolitisch gegeben hat.“

Pilz, der auch Mitglied in den DFB-Kommissionen für Sicherheit und Prävention sowie zur Integration ist, gibt zu bedenken, dass in der aktuellen Diskussion nicht alle Hooligans über einen Kamm geschoren werden sollten. Nach den Ereignissen in Köln, wo Ende Oktober eine Demonstration von 4800 Hooligans in gewaltsamen Ausschreitungen endete, beginne das erst vor wenigen Wochen geschmiedete Bündnis bereits wieder zu zerbröckeln. „Viele Hooligans distanzieren sich jetzt davon“, sagt Pilz und verweist unter anderem auf Teile der Hamburger Szene, die sich gegen eine geplante Veranstaltung in der Hansestadt und gegen die „Hogesa“ positioniert hätten.

Er betont, dass die Szene weder eine „homogene Gruppe“ sei noch dass die „Hogesa“ aus dem Nichts komme. Den politisch-radikalen Kern bildet seiner Ansicht nach der 2012 erfolgte lockere Zusammenschluss mehrerer Gruppen zu den „Gnuhonnters“ – einer Mischung von Alt-Hooligans, Neonazis und versprengten Gewaltanhängern. Deren Ideologie stehe den von Rechtsextremen vertretenen Werten nahe. „Sie wollen die alten Werte im Fußball wiederbeleben: Ehre, Stärke, Männlichkeit. Und sie wollen sich gegen die linken Ultra-Gruppen zur Wehr setzen, die sich gegen rechts positionieren.“ Das sei ihnen in einigen Stadien auch gelungen. „Die Ultra-Gruppen sprechen seit fünf bis sieben Jahren von Versuchen von rechts, die Macht in der Kurve zu bekommen.“ Beispiele dafür gebe es in Aachen, Duisburg, Dortmund und Braunschweig.

Mit Fußball selbst aber habe dies alles zunächst nichts zu tun. „Der Sport bietet den Rechten nur die Bühne, auf der sie sich einbringen können.“ Verglichen mit dem Ausland, sei der parteipolitische Rechtsextremismus in der Bedeutungslosigkeit versunken. Die Fankurven seien eine der wenigen verbliebenen „Wohlfühlnischen“ für Rechtsextreme und die von ihnen vertretenen Werte. „Die Erfahrung zeigt aber, dass es ihnen nicht gelingt, die Kurven für ihre Szene zu gewinnen. Doch wenn die zivilcouragierten Gruppen nicht gestärkt werden, kann es durchaus passieren, dass sie zumindest kurzfristig die Macht dort übernehmen.“ Die nun stattfindenden Proteste unter dem gemeinsamen Feindbild bewertet er daher als „nichts anderes als einen Versuch, den Niedergang aufzuhalten.“ Das Beste sei, so Pilz, diese Leute „mit Missachtung zu bestrafen, ihnen keine Bühne zu geben und die Polizei ihre Arbeit machen zu lassen.“


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