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07.11.2014, 18:11 Uhr STREIK ENDET VORZEITIG

Lokführer lassen Dampf aus dem Kessel

Kommentar von Uwe Westdörp

Verkündet „Versöhnungsgeste“:  Claus Weselsky (l), Vorsitzender der Lokführer-Gewerkschaft GDL. Foto: dpaVerkündet „Versöhnungsgeste“: Claus Weselsky (l), Vorsitzender der Lokführer-Gewerkschaft GDL. Foto: dpa

Osnabrück. Die Lokführer wollen früher als geplant wieder an die Arbeit gehen. Doch vor voreiligen Hoffnungen sei gewarnt: In der Sache gibt es trotz der Versöhnungsgeste weiter große Differenzen.

Zehntausende von Reisenden können aufatmen. Die Lokführergewerkschaft GDL verkürzt ihren Streik um 34 Stunden. GDL-Chef Claus Weselsky will das als „Versöhnungsgeste“ verstanden wissen. Doch täusche sich niemand: Dies ist kein Zeichen von Schwäche, eher von Stärke.

Tatsächlich ist die Position der Gewerkschaft trotz aller öffentlichen Kritik erstaunlich gut. Zwei Gerichte haben den Lokführern bestätigt, dass ihr Arbeitskampf nicht gegen die Friedenspflicht verstößt. Das ist ein doppelter Sieg, der Weselsky den Rücken stärkt.

Zugleich reagiert er taktisch klug, indem er Dampf aus dem Kessel nimmt. Die öffentliche Debatte ist extrem aufgeheizt. Da macht es sich gut, wenn die GDL sich zwischenzeitlich einmal moderat gibt. Seht her: Ich kann auch anders, lautet Weselskys Botschaft, die sicherlich auch mit den Feiern anlässlich des 25. Jahrestags des Falls der Berliner Mauer zu tun hat. Solche emotionalen nationalen Feste zu stören war von Anfang an keine gute Idee.

In der Sache aber hat sich die Gewerkschaft bislang keinen Zentimeter bewegt. Unverändert steht ihre Forderung im Raum, nicht nur für Lokführer, sondern auch für weitere Berufsgruppen verhandeln zu wollen. Und die Gerichte sagen, diese Forderungen seien nicht widerrechtlich. So gestärkt, kann Weselsky weiteren Verhandlungen mit der Bahn gelassen entgegensehen.


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