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Nach Hooligan-Krawallen in Köln Bundesligavereine verbieten Hogesa-Symbole

Von Karsten Frei


Osnabrück. Nach Fortuna Düsseldorf haben auch der 1. FC Nürnberg, der SC Paderborn, der FC Schalke 04 sowie der SV Meppen Kleidung und Symbolen der Gruppe „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) in ihren Stadien verboten. Weitere Vereine prüfen kurz vor Anpfiff des 10. Spieltags in der Fußball-Bundesliga ähnliche Schritte.

Mehrere Fußball-Bundesligisten wollen Kleidung und Symbole der Gruppe „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) in ihren Stadion nicht dulden. Den Anfang hatte am Dienstag Fortuna Düsseldorf gemacht und seine Stadionordnung entsprechend verschärft . Hintergrund sind die gewalttätigen Ausschreitungen bei einer Demonstration mit 4500 Teilnehmern am Sonntag in Köln, bei der mehr als 50 Menschen, darunter Dutzende Polizisten, verletzt worden waren.

Kleidungsstücke ablegen

Ein explizites Verbot haben der 1. FC Nürnberg, der SC Paderborn, FC Schalke 04 und an diesem Samstag auch Bayer 04 Leverkusen,eingeführt. Das ergab eine Umfrage unserer Redaktion unter den Vereinen. „Bei der ‚Hogesa-Demo‘ in Köln wurde deutlich, dass es sich hierbei um eine gewaltverherrlichende Vereinigung mit ausländerfeindlichen Tendenzen handelt. Vor diesem Hintergrund ermöglicht die Stadionordnung unseres Vereins ein entsprechendes Verbot derartiger Abzeichen oder Symbole auf Kleidungsstücken etc. Das heißt konkret, dass der Verein bereits zum Spiel gegen Augsburg am Freitag alle Möglichkeiten hat, nach Einzelfallprüfung das Hausrecht durchzusetzen“, teilte eine Sprecherin des Gelsenkirchener Vereins mit. SC Paderborn-Sprecher Matthias Hack sagte: „Kleidungsstücke sind vor dem Stadioneintritt abzugeben oder es wird kein Zutritt gewährt.“ Auch der SV Meppen teilte mit, er habe die Stadt Meppen gebeten, als Stadioneigentümer die Stadionordnung dahingehend zu ergänzen, dass das Tragen von Kleidung mit diesem Symbol „Hogesa“ untersagt ist.

Beim FC Augsburg und Mainz 05 steht ein Verbot möglicherweise bevor. „Wir werden auch intern noch besprechen, wie wir mit diesen Gruppierungen umgehen“, erklärte Dominik Schmitz, Sprecher beim FC Augsburg. „Die Thematik ist bei uns ebenfalls auf der Agenda und wird womöglich ähnlich behandelt wie in Düsseldorf“, sagte Tobias Sparwasser von Mainz 05. Auch bei Arminina Bielefeld läuft die Diskussion noch. „Wir beobachten die Entwicklungen rund um ’HoGeSa‘ sehr genau und beraten über mögliche Schritte, sind aber noch nicht zu abschließenden Maßnahmen gekommen“, sagte Sprecher Tim Placke. Antworten von anderen Bundesligaklubs stehen noch aus.

In den Stadienordnungen der Bundesligisten wird bereits jetzt Besuchern von Fußballspielen der Zugang zu den Stadien verwehrt, wenn sie fremdenfeindliche, rassistische, homophobe, gewaltverherrlichende, antisemitische, links- oder rechtsextreme Symbole auf Fahnen und Bannern mitführen oder diese auf ihrer Kleidung tragen.

Ordnungspersonal sensibilisiert

Neu ist, dass nun auch Abzeichen, die eine Unterstützung der „Hooligans gegen Salafisten“ ausdrücken, unter diese Einordnung fallen können. Hannover 96, der Hamburger SV, die TSG 1899 Hoffenheim, der VfL Wolfsburg, der 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach und der FC St. Pauli erachten ihre bestehende Stadionordnung daher derzeit als ausreichend. „Das Thema ist bei uns noch nicht angekommen. Unsere einschlägige Szene war bis jetzt nicht an diesen Demos beteiligt“, sagte HSV-Sprecher Tobias Hauke. „Wir stehen mit den Sicherheitsbehörden in Verbindung und halten uns gegenseitig auf dem neuesten Stand. Ein mögliches Verbot werde wir intern ansprechen.“ Der VfL Wolfsburg erklärte, dass „das Ordnungspersonal der Volkswagen Arena nun noch einmal explizit für die Thematik „Hogesa“ sensibilisiert“ worden sei.

Auch der SV Werder Bremen sieht keine Notwendigkeit, seine Stadionordnung explizit zu verschärfen. Die Hogesa-Symbole fallen unter die bereits bestehenden Verbote, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewaltverherrlichung richtet, erklärte Vereinspräsident Klaus-Dieter Fischer. Bereits beim letzten Heimspiel gegen den 1. FC Köln hätten diese Maßnahmen gegriffen. „Im Zuschauerbereich des Gästeblocks wurde versucht ein Transparent mit dem Schriftzug HoGeSa einzubringen, dieses wurde von unseren Sicherheitskräften verhindert“, sagte Fischer. Er verurteilte die Ansichten der Gruppierung als menschenverachtend und demokratiefeindlich.

Eine für Mitte November geplante Demonstration von Hooligans in Hamburg ist nach Polizeiangaben abgesagt worden . In Berlin wird laut über ein Verbot eines Hogesa-Aufmarsches nachgedacht.