Bremen schafft Friedhofszwang ab Asche Verstorbener darf in den Garten

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Bremen/Osnabrück. Die Bremische Bürgerschaft hat am Mittwoch eine weitgehende Lockerung des sogenannten Friedhofszwangs beschlossen. Demnach darf die Asche von Verstorbenen künftig auf Privatgrundstücken oder besonders ausgewiesenen öffentlichen Flächen verstreut werden, wenn der Verstorbene dies zu Lebzeiten schriftlich so verfügt hat. Im November soll die Neuregelung endgültig verabschiedet werden, zum Jahreswechsel tritt sie in Kraft. Dann gilt im rot-grün regierten Bremen das am weitesten liberalisierte Bestattungsrecht Deutschlands.

Auch in Nordrhein-Westfalen darf Asche außerhalb von Friedhöfen verstreut werden, aber nur, wenn der Beisetzungsort zumindest zu bestimmten Zeiten „dauerhaft öffentlich zugänglich“ ist – also auch „für die ungeliebte Schwiegermutter“, wie eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums auf Anfrage unserer Redaktion sagte.

Diese Einschränkung gilt in Bremen nicht. Hier muss lediglich der Verstorbene zu Lebzeiten in einer schriftlichen, nicht unbedingt notariellen Verfügung den genauen „Verstreuungsort“ festlegen und eine „Person für die Totenfürsorge“ bestimmen, die laut Gesetzesbegründung „bei der Beisetzungszeremonie einen pietätvollen Rahmen sicherzustellen“ hat. Damit nicht Nachbarn beeinträchtigt werden, soll ein Verstreuen bei starkem Wind unterbleiben. Die Neuregelung gilt nur für Verstorbene mit letztem Hauptwohnsitz in Bremen. Dadurch soll ein „Asche-Tourismus“ aus strenger regulierten Bundesländern verhindert werden, wie es in der Gesetzesbegründung weiter heißt.

Ursprünglich wollte die Bremer Koalition Hinterbliebenen auch erlauben, Urnen zwei Jahre lang zu Hause aufzubewahren und sie erst danach beizusetzen. Wegen juristischer Bedenken und nach zahlreichen Protesten gegen die „Urne auf dem Kaminsims“ wurde dieser Punkt aber gestrichen. Für die Neuregelung stimmte neben der rot-grünen Koalition auch die Linke; die CDU votierte dagegen.

Nach Ansicht der Befürworter stärkt die Liberalisierung die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen über den Tod hinaus. Viele Menschen empfänden heute den Friedhofszwang als Bevormundung, sagte die Initiatorin der Reform, die Grünen-Abgeordnete Maike Schaefer, in der einstündigen Debatte. Manche würden ihre verstorbenen Angehörigen im Ausland einäschern lassen und sie dann heimlich zurück nach Deutschland holen, um sie hier an einem selbst gewählten Ort zu bestatten. Das sei unwürdig und liege „im Graubereich der Legalität“. Die Neuregelung mache es möglich, ganz legal „den letzten Wunsch der Verstorbenen nach einem schönen Platz außerhalb von Friedhöfen“ zu erfüllen, sagte die Grüne.

Auch SPD und Linke unterstützten den Wunsch nach vielfältigeren Bestattungsformen.

CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp meinte dagegen: „Der tote Mensch gehört nicht sich selbst“. Jeder Hinterbliebene müsse die Möglichkeit haben, an einem öffentlichen, besonderen Ort um ihn zu trauern. Künftig bestehe die Gefahr, dass Asche sogar auf Hunde- oder Obstwiesen ausgebracht werde. Bremen könne sich nicht leisten, eine „Urnenpolizei“ einzuführen, die das ordnungsgemäße Ausstreuen gemäß dem Willen des Verstorbenen überwache. Daher drohe eine völlig unkontrollierte Freigabe der Asche, und das sei unwürdig.

In Niedersachsen findet der Bremer Vorstoß Zustimmung. Thomas Schremmer, stellvertretender Fraktionschef der Grünen in Hannover, hatte die Pläne bereits im August im Gespräch mit unserer Redaktion als „gute Lösung“ begrüßt. „Es muss möglich sein, andere Orte als Friedhöfe für Beisetzungen zu finden“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher. Schließlich entspreche das dem Wunsch vieler Menschen. „Und deswegen werden wir uns damit beschäftigen müssen“, sagte Schremmer. Seine Partei stehe dem offen gegenüber. Eine Initiative gebe es derzeit aber noch nicht.

Der Koalitionspartner SPD und das zuständige Sozialministerium gaben sich aber zurückhaltend. Eine Reform des Friedhofszwangs sei derzeit kein Thema, hieß es.