Milliarden Euro fehlen für Sanierung Bertram: 1000 Euro „Soli“ für marode Hochschulen


Osnabrück. Nicht nur die Straßen und Brücken bröckeln in Deutschland. Auch die Bausubstanz der Universitäten lasse zu wünschen übrig und leide unter einem Sanierungsstau in Milliardenhöhe, beklagt die Hochschulrektorenkonferenz. Eine Gegenmaßnahme aus Sicht von Vize-Präsident Andreas Bertram: ein Solidarbeitrag in Höhe von 1000 Euro pro Semester pro Student.

Der Chef der Hochschule Osnabrück wies im Gespräch mit unserer Redaktion darauf hin, dass allein in Niedersachsen mehrere Hundert Millionen Euro an Investitionsmitteln nötig seien, um beispielsweise Sanierungen von Hörsälen und Gebäuden voranzutreiben. „Auf Bundesebene sind es sicherlich mehrere Milliarden Euro“, sagte Bertram. Er erinnerte daran, dass in der Vergangenheit den Lehranstalten zahlreiche Mehraufgaben aufgetragen worden seien – ohne Ausgleich.

Die Länder als Träger der Hochschulen hätten zunehmend Probleme, die notwendigen Mittel für die Sicherstellung der Infrastruktur aufzubringen. Das gelte auch für Niedersachsen, wo der Wegfall der Studiengebühren zum gerade eben gestarteten Wintersemester 2014/15 zwar kompensiert worden sei. Allerdings seien die Ersatzmittel wie schon die Gebühren gebunden und dürften nicht zur Behebung des Sanierungsstaus ausgegeben werden.

Studenten sollen 250 Euro zahlen

Bertram regte die Schaffung eines Solidarbeitrags an: „Pro Student pro Semester 1000 Euro für die jeweilige Hochschule“. Die Summe könnte nach Vorstellung des HRK-Vize zwischen Student und Land, aber auch dem Bund aufgeteilt werden. „Es sollte auch überlegt werden, die Wirtschaft ins Boot zu holen“. Etwa 250 Euro könnten auf die Studenten entfallen. „Der Beitrag wird dann der Hochschule überlassen, die über die Verwendung entscheidet.“ Das Geld könnte in die Bausubstanz oder die Verbesserung der Lehre investiert werden.

Studiengebühren weg

Unterdessen habe sich der Wegfall der Studiengebühren im Niedersachsen bei den Studierendenzahlen zumindest an seiner Hochschule kaum bemerkbar gemacht, sagte Bertram. „Wir hatten vergangenes Wintersemester den doppelten Abiturjahrgang in Nordrhein-Westfalen. Das führte zu einer Rekord-Nachfrage, die sich in diesem Jahr auf diesem Niveau gehalten hat.“

Auch andere Lehranstalten in West-Niedersachsen verzeichnen keinen Studenten-Boom, aber durchaus hohe Nachfrage. In Oldenburg blieb die Zahl der Erstsemester stabil . An der Uni Osnabrück stieg sie von 3792 auf vorläufig 3850. Vechta verzeichnete ein Plus von 300 Studierenden.

Keine Auswirkungen in Bremen und Münster

Hat der Wegfall der Studiengebühren in Niedersachsen Auswirkungen auf die Nachbarschaft? Schließlich war Niedersachsen das letzte Bundesland, das noch 500 Euro pro Semester verlangte. Nein, heißt es bei der Uni Münster, die Zahl der Studienanfänger sei konstant geblieben. Die Uni Bremen hingegen verzeichnete gar einen Anstieg von 4944 auf 5255 Studienanfängern.

Ob mit oder ohne Studiengebühr sei der Hochschul-Standort Niedersachsen im bundesweiten Wettbewerb um Studierende gut aufgestellt, sagt HRK-Vizepräsident Bertram. „Niedersachsen zieht“, umschreibt er die Attraktivität des Bundeslandes.


0 Kommentare