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16.10.2014, 19:24 Uhr VON ÄRZTEN HEFTIG ABGELEHNT

Sterbehilfe-Entwurf mit zwei massiven Schwächen

Ein Kommentar von Christof Haverkamp


Eine Gruppe von Abgeordneten hat einen Entwurf zur Sterbehilfe vorgelegt, der von Ärzten heftig kritisiert wird. Foto: Oliver BergEine Gruppe von Abgeordneten hat einen Entwurf zur Sterbehilfe vorgelegt, der von Ärzten heftig kritisiert wird. Foto: Oliver Berg

Osnabrück. Ärzte in Deutschland sollen künftig nach einem Vorschlag mehrerer Bundestagsabgeordneter Beihilfe zur Selbsttötung leisten dürfen. Doch die Mediziner selbst sind gegen den Entwurf.

Es wird noch viel Wasser die Spree hinabfließen, ehe der Bundestag ein neues Gesetz zur Sterbehilfe verabschiedet. Das liegt an den schwierigen ethischen Fragen, aber auch an den unterschiedlichen Positionen der Abgeordneten. Die Fronten verlaufen quer durch die Fraktionen. Daher kann die erste Lesung am 13. November allenfalls aufzeigen, wo Kompromisse möglich sind.

Klar ist: Einen staatlichen Zwang zum Leiden darf es nicht geben. Doch das will auch niemand. Denn die aktive Sterbehilfe – die Tötung auf Verlangen – ist dazu nicht die einzige Alternative.

Der Entwurf von Peter Hintze und Karl Lauterbach verfolgt das richtige Ziel, die organisierte Beihilfe zum Suizid zu verbieten und Rechtssicherheit zu schaffen. Doch die Abgeordneten schreiben den Ärzten eine Rolle zu, die diese mehrheitlich vehement ablehnen. Die Mediziner wollen Leben retten, nicht Sterbehelfer sein. Es wäre schlecht, wenn ein Entwurf Gesetz würde, der dem Willen der Ärzte widerspräche. Das gilt erst recht, wenn es um Fragen von Leben und Tod geht.

Die zweite Schwäche des Entwurfs besteht darin, dass sich die Beihilfe zum Suizid zur normalen Dienstleistung entwickeln würde. Der Druck auf Betagte und Schwerkranke nähme damit zu.


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