Debatte um Sterbehilfe „Jeder soll selbst bestimmen, was er ertragen kann““

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Diese Abgeordneten legten ein  Eckpunktepapier zur Regelung der Sterbehilfe vor (v.l.):Dagmar Wöhrl (CSU), . Karl Lauterbach (SPD), . Carola Reimann (SPD), Peter Hintze (CDU), Katherina Reiche (CDU) und  Burkhard Lischka (SPD) Foto:dpaDiese Abgeordneten legten ein Eckpunktepapier zur Regelung der Sterbehilfe vor (v.l.):Dagmar Wöhrl (CSU), . Karl Lauterbach (SPD), . Carola Reimann (SPD), Peter Hintze (CDU), Katherina Reiche (CDU) und Burkhard Lischka (SPD) Foto:dpa

Berlin. Der Bundestag will die Sterbehilfe reformieren. Die Entscheidung soll im Herbst 2015 nach reiflicher Debatte fallen, eine erste Diskussion im Parlament gibt es am 13. November. Über Parteigrenzen hinweg haben sich fünf Bündnisse gebildet, deren Vorschläge vom strikten Verbot bis zur Erlaubnis für Ärzte reichen, Sterbehilfe zu leisten.

Eine Gruppe von sechs Koalitionsabgeordneten um Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU) will Todkranken die Möglichkeit zur ärztlich assistierten Selbsttötung geben. Dabei müsse die Handlung durch den Patienten selbst erfolgen, betonten die Parlamentarier gestern in Berlin. Bundestagsvizepräsident Hintze und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sehen in der Freigabe ärztlicher Sterbehilfe die Chance, Sterbehilfe-Organisationen „überflüssig“ zu machen.

Ein ärztlich assistierter Suizid soll laut dem Papier nur unter Bedingungen möglich sein. Der Patient müsse volljährig sein sowie eine „unheilbare Erkrankung haben“, die „unumkehrbar zum Tod führt“, heißt es darin. Die Abgeordneten plädieren ferner für eine umfassende Beratung. Bei einer psychischen Erkrankung soll eine ärztliche Suizidbeihilfe ausscheiden. Wenn aber die Palliativmedizin an ihre Grenzen stoße und Patienten dies als nicht würdevoll empfänden, solle der assistierte Suizid möglich sein, betonte der Mediziner Lauterbach.

Zu der Gruppe gehören neben Lauterbach und Hintze auch die Abgeordneten Dagmar Wöhrl (CSU), Katherina Reiche (CDU), Carola Reimann und Burkhard Lischka (beide SPD). Sie fordern eine zivilrechtliche Regelung im Bürgerlichen Gesetzbuch im Umfeld der Patientenverfügung, keine strafrechtliche. „Wir wollen weg von der Verbotsdebatte“, betonte Reimann. Jeder müsse „selbst bestimmen, was er noch ertragen kann“, sagte Hintze. Er nannte es unverantwortbar, wenn „aus dem Schutz des Lebens ein Zwang zum qualvollen Tod würde“.

Die Gruppe will auch mehr Rechtssicherheit bei Ärzten schaffen. Das Standesrecht einzelner Ärztekammern verbietet derzeit den Medizinern jegliche Beihilfe zur Selbsttötung. Andernfalls drohe der Entzug der Approbation. In Deutschland gebe es unter den 17 Landesärztekammern keine einheitliche Regelung, sagte Wöhrl.

Die Hintze-Gruppe lehnt grundsätzlich eine organisierte Suizid-Beihilfe ab. Bisher will nur die Rechtsexpertin der Grünen, Renate Künast, Sterbehilfe-Vereine erlauben, sofern sie keine kommerziellen Ziele verfolgen. Zwei weitere Vorlagen von Bundestagsabgeordneten wenden sich gegen jede Form organisierter Suizidbeihilfe, egal ob durch Vereine oder Einzelpersonen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN