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06.10.2014, 19:37 Uhr VERHALTEN TIEF VERLETZTER MÄNNER

Streit um Kohls Geheimprotokolle: Schlechter Stil

Kommentar von Christof Haverkamp


Osnabrück. Die umstrittenen Aufzeichnungen von Gesprächen mit Altkanzler Helmut Kohl sollen an diesem Dienstag vorgestellt werden. Laut „Focus“ will Kohl rechtlich gegen das Buch vorgehen. Es zeigt den Machtmenschen Kohl.

Tief verletzt hat der frühere Kohl-Biograf Heribert Schwan die Lästerungen des damals tief verletzten früheren Kanzlers Helmut Kohl aus den Jahren 2001 und 2002 veröffentlicht. Beide Männer rutschten ab in schlechten Stil, und in beiden Fällen ist die negative psychische Verfassung zu berücksichtigen: bei Schwan, der im Sommer seine Tonbänder mit den Kohl-Gesprächen wieder herausrücken musste – und bei Kohl, der direkt nach der Spendenaffäre um sich geschlagen hat wie ein waidwundes Tier.

Dass der Machtmensch Kohl austeilen konnte, ist nicht überraschend. Und dass ein Politiker viel erreicht, menschlich aber nicht immer vorbildlich handelt, gibt es auch in der Kommunalpolitik.

Klug war jedenfalls die Entscheidung der damals Gescholtenen, sich nicht zu den jetzt bekannt gewordenen Beschimpfungen zu äußern, nicht weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Die Lästerungen runden das Bild von Kohl ab – aber sie schmälern keineswegs seine Verdienste um die deutsche Einheit und das Zusammenwachsen Europas. Aus gutem Grund wird der 84-Jährige gerade als ein Kandidat für den Friedensnobelpreis gehandelt.

Bedeutsam ist nun die Frage, wie Kohls Nachlass auf Dauer zu verwalten ist, sodass Wissenschaftler ihn nutzen können. Sein privater Bungalow in Ludwigshafen-Oggersheim wäre jedenfalls ein schlechter Aufbewahrungsort. Besser geeignet wäre ein Archiv oder eine Stiftung.

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